»Der Fürst hat während meiner Abwesenheit nach mir verlangt, und ich vermuthe, es ist wegen des heutigen langweiligen Festes gewesen. Wahrscheinlich setzte er voraus, ich würde mich darum kümmern, und da dies nicht geschehen ist, wird er mir nicht besonders gnädig begegnen. Er schenkt der Prinzessin noch immer viel zu viel Aufmerksamkeit, trotzdem er sie prüde und langweilig findet. Nun, mag’s sein! Ich werde auch mit seiner Ungnade fertig werden. Doch wir müssen an den Empfang denken, denn das ewige Rollen der ankommenden Wagen sagt mir, daß sich die Leute versammelt haben. Gehen Sie jetzt zu der Prinzessin, Mühlfels, und fragen Sie sie, ob es ihr genehm ist, mich zu empfangen.«

»Machen Sie sich keine Gedanken wegen des Fürsten, mein Prinz. Ihre längere Abwesenheit, — ich denke, es sind höchstens sechs bis acht Tage, — kann ja auch durch ernste Angelegenheiten veranlaßt worden sein. Sie haben dem Grafen Renau einen Besuch gemacht, um sich über die dort betriebene Pferdezucht zu informiren, oder schenkten den Exercitien ihre Aufmerksamkeit,« — bemerkte Mühlfels mit einem verständigenden Blick auf den Prinzen.

»Sie haben Recht,« fiel dieser ein und fügte hinzu:

»Ich sehe überdies nicht ein, warum ich nicht nach Belieben über meine Zeit verfügen können sollte.«

»Das ist auch meine Meinung, mein Prinz; indessen dürfte es nichts schaden, dem Unmuth des Fürsten durch eine kleine Täuschung vorzubeugen. Er ist alt und kränklich, da muß man Rücksicht nehmen.« —

»Gut, gut, Mühlfels; ich werde ihm von Exercitien und Pferdezucht sprechen,« fiel der Prinz lachend ein und forderte ihn alsdann auf, zu der Prinzessin zu gehen.

Der Baron begab sich zu derselben und wurde sogleich vorgelassen.

Er entledigte sich in der ehrerbietigsten Weise seines Auftrages, und nachdem Sidonie erwidert, sprach er die Bitte aus, ihr seinen Glückwunsch abstatten zu dürfen.

Mit gütigem Wohlwollen nahm Sidonie denselben an und dankte ihm mit freundlichen Worten dafür.

»Hoheit werden der Versicherung Glauben schenken, wie sehr ich meine lange Abwesenheit beklage, da mich dieselbe des Glücks beraubt hat, in dem Cirkel Eurer Hoheit zu erscheinen,« sprach Mühlfels in betrübtem Ton, und fügte alsdann seufzend hinzu: »Doch Hoheit wissen ja, wie wenig ich den Aufenthalt in der Residenz liebe und wie sehr es mich betrübt, daß meine Vorstellungen fruchtlos sind, obgleich ich es mir stets angelegen sein lasse, den Prinzen an die ihm obliegenden Pflichten und Rücksichten zu erinnern.« —