Bald darauf erschien Sidonie mit der Freundin, und der Graf war durch sein Verhalten bedacht, den Anwesenden den Glauben aufzunöthigen, als ob er die Prinzessin am heutigen Abend erst jetzt begrüße.

Es fand nun eine zwanglose Unterhaltung statt, wie das stets zu sein pflegte, bis der Vortrag eines Künstlers, gewöhnlich eines Sängers oder Musikers, dieselbe aufhob und mit derselben abwechselte.

An dem heutigen Abend wurde aber in dieser Beziehung eine Ausnahme gemacht, indem Sidonie nach kurzer Unterhaltung mit Römer ihren Gästen verkündete, daß dieser sie durch Mittheilungen über seine Reisen erfreuen würde.

Diese Nachricht wurde mit großer Freude aufgenommen, und der Graf entledigte sich alsdann unter Vorzeigen der fremden Gegenstände des der Prinzessin gegebenen Versprechens.

Unter den Gästen befand sich auch Mühlfels und dessen Mutter, die Oberhofmeisterin.

Der Erstere fühlte sich an dem heutigen Abend in keiner angenehmen Stimmung, indem man ihn über den Grafen vergaß und lediglich diesem alle Aufmerksamkeit zuwandte.

Dieser Umstand verletzte des Barons Eitelkeit. Bisher hatte man gern seinem Wort gelauscht und seine Mittheilungen hatten stets Beifall geerntet; heute jedoch sah er sich wenig beachtet, und was ihn am tiefsten verletzte, selbst von Sidonien, die, wie ihm nicht entging, ihr ganzes Interesse dem Grafen zu schenken schien.

Sein Unmuth wurde freilich später dadurch beschwichtigt, daß er Gelegenheit fand, sich in der gewöhnten Weise geltend zu machen, ebenso durch die Voraussetzung, daß des Grafen ernstes, fast kaltes Wesen ihm wenig geeignet schien, zärtliche Gefühle bei den Frauen zu erregen, ganz abgesehen, daß, wie er sich mit Behagen sagte, sich der Graf hinsichts der persönlichen Vorzüge nicht mit ihm vergleichen durfte.

In diesem angenehmen Bewußtsein zollte er dem Grafen lauten Beifall, obwol es ihm nicht gelang, diesem eine besondere Beachtung für sich abzunöthigen. Vielleicht würde dies geschehen sein, hätte der Graf des Barons Stellung bei dem Prinzen gekannt, was jedoch nicht der Fall war. Da Sidonie, Aurelie und der Graf der zu beobachtenden Vorsicht in ihrem Verhalten zu einander stets eingedenk blieben, so gewann der Baron auch nicht die leiseste Ahnung von dem wichtigen Interesse, das diese drei Personen aneinander fesselte. Seine Täuschung wurde um so mehr befestigt, da Sidonie, durch die Nähe des Geliebten beglückt, ihre Empfindungen auch auf ihre Gäste übertrug und so auch Mühlfels durch vermehrte freundliche Aufmerksamkeit beehrte.

Dieser ihm so angenehme Umstand diente ihm zugleich als Beweis des von Sidonien für ihn gehegten wärmeren Interesses, und so schied er in sehr befriedigter Stimmung.