Zwar bemühte sich der Letztere, die Stimmung des Prinzen zu verbessern; indessen vergebens, da demselben alle früher beliebten Arrangements jetzt langweilig und ungenießbar erschienen.

Um seinen Unmuth noch in hohem Grade zu steigern, sprach auch der Fürst immer bestimmter das Verlangen aus, daß der Prinz den Staatsgeschäften ein größeres Interesse zuwenden und sich darum nicht so häufig und auf lange Zeit aus seiner Nähe entfernen sollte. Zu ernsten Dingen fühlte der Prinz jedoch jetzt gerade am wenigsten Neigung und fügte sich daher nur mit Widerstreben in den Befehl seines Oheims. Mühlfels sah sich in Folge dessen veranlaßt, auf Mittel zu denken, durch welche er die Abspannung und üble Laune des Prinzen beseitigen und zugleich ein gutes Einvernehmen zwischen diesem und dem Fürsten herstellen könnte. Und so sehen wir ihn denn in dem Boudoir seiner Mutter, der Oberhofmeisterin der Prinzessin, mit welcher er die bezeichnete Angelegenheit in eingehender Weise erwog. Denn es muß bemerkt werden, daß der Baron in dem eigenen Interesse sowol als demjenigen des Prinzen seine Mutter häufig zu Rathe zog und sie einen nicht unwesentlichen Einfluß auf seine Anordnungen in dieser Hinsicht ausübte.

Die Baronin besaß eine ausgedehnte Damenbekanntschaft und wurde nicht eben selten mit der Bitte angegangen, den Prinzen durch ihren Sohn auf eine oder die andere Schönheit aufmerksam machen zu lassen, oder auch wol die Gelegenheit zu bieten, daß der Prinz diese persönlich kennen lernte. Der Letztere besuchte nämlich mit Mühlfels dann und wann die Baronin, nachdem diese bedacht gewesen, des Prinzen Auge durch angenehme weibliche Erscheinungen in ihrem Hause zu überraschen.

Wir sehen, daß die Oberhofmeisterin neben ihrer Stellung als solche auch noch eine andere, mindestens zweideutig zu nennende, einnahm, so wenig diese sich auch mit ihrem eigentlichen Beruf vereinigte. Sidonie war damit nicht bekannt, noch hegte sie so viel Interesse für die Baronin, um nach deren sittlichen Eigenschaften zu forschen. Des Prinzen Empfehlung hatte ihr dieselbe zugeführt, und es war ihr überhaupt ziemlich gleichgiltig, von welcher Dame diese Stellung eingenommen wurde, wenn dieselbe nur überhaupt ein von ihr gewünschtes Verhalten beobachtete. Und dies war bei der Baronin durchaus der Fall. Mit dem Charakter der Prinzessin bald genügend vertraut, war sie bedacht, sich im Wesen und Benehmen ganz deren Wünschen anzubequemen, und diese Klugheit sicherte ihr eine gute Aufnahme bei Sidonien. Da sie sich überdies auch gegen des Prinzen Verhalten erklärte und darin durch ihren Sohn in der bereits angegebenen Weise wesentlich unterstützt wurde, so zweifelte Sidonie nicht an der aufrichtigen Theilnahme der Baronin und dankte ihr dafür durch ein gütiges Entgegenkommen. Fern lag ihr die Vermuthung, wie sehr sie sich täuschte und daß Mutter und Sohn lediglich ein und dasselbe Ziel verfolgten, und so geschah es, daß sie auch der Baronin gleich deren Sohn den Zutritt in ihre Abendcirkel gestattete. —

Wir kehren nach diesen Erläuterungen zu den Berathungen der Letzteren zurück.

»Der Prinz hat also seine Tänzerinnen satt?« fragte die Baronin.

»Durchaus, wie das vorauszusehen war. Sie kennen ja seinen Charakter und wissen, daß er nur in dem fortwährenden Wechsel der Genüsse Befriedigung findet.«

»Es fehlt also an einem Ersatz?«

»So ist es, und dieser Ersatz wird um so schwerer zu erhalten sein, da der Prinz durch die letzten Debauchen allen Geschmack an Aehnlichem verloren hat.«

»Um so besser, so wird eine Dame aus guter Familie, mit Schönheit und dem erforderlichen Benehmen ausgestattet, leicht seinen Beifall gewinnen.« »Möglich. Kennen Sie eine solche Dame?«