Wir haben erfahren, wie schwer ihr eine solche unter den obwaltenden Umständen geworden wäre; sie würde sich derselben jedoch, wenn auch mit großer Ueberwindung unterzogen haben, weil sie dies im Hinblick auf ihre Tochter und den Wunsch des Fürsten für ihre Pflicht erachtete.
So blieb denn das alte Verhältniß zwischen ihnen bestehen und Sidonie ergab sich jetzt in das Unabänderliche um so leichter, da in ihrem Herzen die Liebe mit neuer Frische aufgeblüht war und die Hoffnung sie beglückte, den geliebten Freund bald und für längere Zeit in ihrer Nähe zu sehen.
Der Prinz war in Folge der Aufforderung des Barons mit diesem ausgefahren.
Es war ein heiterer, warmer Herbsttag und sehr geeignet, das Herz zu erfrischen und der Seele neue Spannkraft zu verleihen.
Auf Mühlfels Wunsch dehnte der Prinz die Fahrt mehr als gewöhnlich aus, da ihm dieselbe behaglich war und er sich dabei ziemlich gut unterhielt.
In seinem Palais zurückgekehrt, sprach der Prinz nach langer Zeit wieder das Verlangen aus, den Abend irgendwo in einer heitern Gesellschaft zu verleben, und Mühlfels benutzte diesen Umstand, dem Prinzen den Vorschlag zu thun, das Souper bei seiner Mutter einzunehmen. Er gab vor, daß die Letztere heute außer einigen dem Prinzen angenehmen Personen auch ein paar Musik-Künstler von Ruf bei sich empfangen würde, von denen man sich einigen Genuß versprechen, der Prinz also eine kleine Unterhaltung erwarten dürfte.
Dieser Vorschlag gefiel dem Prinzen und er erklärte sich zur Annahme desselben bereit.
Nichts konnte dem Baron gelegener kommen, und er eilte zu seiner Mutter, um dieselbe des schnellsten mit Allem bekannt zu machen, damit die erforderlichen Anordnungen noch getroffen werden konnten.
Die Baronin wurde durch die erhaltene Nachricht sehr erfreut. Sie besaß die Geschicklichkeit, dergleichen Soupers in der besten Weise zu improvisiren, besonders wenn es galt, den Prinzen zu empfangen und nebenbei nicht eben geringe Vortheile zu erzielen.
Frau von Lieben wurde vor allen Dingen mit des Prinzen Besuch bekannt gemacht und zugleich mit ihrer Tochter eingeladen, indem sie nicht unterließ, ihr über das Verhalten der Letzteren dem Prinzen gegenüber vertrauliche Winke zu geben.