»Sehen Sie, Mühlfels,« sprach er, »ein hübsches Haus, einsam und lauschig gelegen! Da müßte es sich angenehm wohnen lassen, natürlich in Gesellschaft eines Wesens, das demjenigen gleicht, wie ich es mir wünsche. In dieser Ruhe und Abgezogenheit von dem Treiben der Welt müßten sich uns ganz neue Genüsse darbieten, nach denen ich mich sehne und deren ich bedarf, wenn mir nicht das Leben und Treiben schaal erscheinen soll. Doch ich glaube, ich bin sentimental!« rief er lachend und fuhr alsdann fort: »Lassen Sie uns die Herrlichkeit betrachten, vielleicht komme ich dabei zu anderen Gedanken.«
Sie begaben sich in den Garten, um von hier in das Landhaus zu gelangen. Die in dem letzteren herrschende Stille und allerlei Anordnungen deuteten darauf hin, daß es von dem Besitzer bereits verlassen sein müßte. So war es in der That, wie ein bald erscheinender Hüter der Villa erklärte. Die Herrschaft war seit einigen Wochen nach Paris gezogen, um den Winter daselbst zu verleben, und das Landhaus daher unbewohnt.
»Desto besser,« meinte der Prinz, »so kann ich meine Neugier ohne zu stören befriedigen; denn ich bin wirklich gespannt, ob sich meine Erwartung bestätigt und die innere Einrichtung dem äußeren Wesen entspricht.«
Der Diener der Villa beeilte sich, die Thüren zu öffnen und die vornehmen Herren einzulassen.
»Vortrefflich, vortrefflich!« rief der Prinz, nachdem sie einige Zimmer durchschritten hatten; »ganz, wie ich es mir gedacht habe. Reich und geschmackvoll, und was fehlt, kann leicht ersetzt werden!«
Sie traten aus dem Gartensalon auf die Veranda, und der Prinz ließ einen Ruf der Ueberraschung vernehmen, indem sich seinem Auge die reizendsten Aussichten darboten.
»Der Besitzer,« wandte er sich an Mühlfels, »ist in der That wegen dieser Villa beneidenswerth, und ich gestehe Ihnen, müßte ich nicht dort wohnen, so zöge ich hieher. Lassen Sie uns nun auch noch die Zimmer des zweiten Flügels sehen,« sprach er nach kurzem Schauen und ging in das Haus zurück.
Der Diener öffnete die Thür, und sie traten in ein luftiges, mit einer Menge guter Gemälde geziertes Gemach. Daneben befand sich ein ähnliches, jedoch einfach ausgestattetes Zimmer, in welchem in der Nähe des Fensters eine verhängte Staffelei stand.
»Sieh da, auch die Kunst fand hier eine Stätte!« rief der Prinz und näherte sich der Staffelei.
Der Diener beeilte sich zu melden, daß das älteste Fräulein der Herrschaft sich mit dem Malen abgebe.