»So, so,« warf der Prinz hin und wollte, wahrscheinlich in der Voraussetzung, eine gewöhnliche Dilettantenarbeit zu finden, an der Staffelei vorübergehen, als er sich plötzlich besann und die Frage an den Diener richtete, ob unter der Hülle etwa ein Bild sei und er das sehen dürfte.

Der Diener bejahte und bemerkte, während er die Hülle entfernte, daß das gnädige Fräulein dasselbe gemalt hätte.

»Parbleu! Ein reizendes Gesicht, eine kostbare Büste!« rief der Prinz, als er das Portrait erblickt hatte. »Das ist wol eine Dame des Hauses?« fragte er, das Bild mit dem höchsten Interesse betrachtend, das ein junges Mädchen in der damals beliebten Schäfertracht darstellte, wie sie uns der Pinsel Watteau’s aufbewahrt hat.

»Halten zu Gnaden, Hoheit, das Bild stellt nur ein gewöhnliches Landmädchen vor, die auf des Fräuleins Wunsch bisweilen hieher gekommen ist. Wie ich gehört habe, hat das Fräulein das Mädchen irgendwo gesehen und ein so großes Gefallen an ihm gefunden, daß sie es abconterfeit hat.«

»Was sagen Sie, Mühlfels? Ist das nicht ein wundervolles Kind?« fragte der Prinz und fügte leise hinzu: »Ein eigenthümlicher Zufall, der mich hier eintreten ließ; denn ich fand, was ich wünschte: die unverfälschte Natur im Kleide der liebreizendsten Schönheit.«

Mühlfels, dessen Ueberraschung beim Erblicken des Bildes noch größer als diejenige des Prinzen war, beeilte sich, des Prinzen Fragen zu bejahen und zugleich seine Bewunderung für das Bild an den Tag zu legen, während ein selbstgefälliges Lächeln seinen Mund umspielte.

Nachdem der Prinz das Bild nochmals betrachtet hatte, verließ er das Gemach und kehrte in den Garten zurück, um dessen Anlagen näher in Augenschein zu nehmen. Als er sich mit dem Baron allein sah, bemerkte er gegen diesen:

»Wie der Diener sagte, befindet sich das Mädchen wahrscheinlich in der Nähe; ich muß es sehen. Es wird aufzufinden sein, Mühlfels; der Diener wird Ihnen den Wohnort desselben nennen können oder könnte sich zur Erforschung desselben bemühen. Sparen Sie weder Mühe noch Geld, mein Verlangen zu befriedigen. Das ist so ein Mädchen, wie ich es wünsche, und mit solch einem Naturkinde in dieser Villa die Stunden zu verträumen, das wäre ein überaus süßer Genuß. Ich werde erst wieder Geschmack an diesem langweiligen Leben finden, wenn ich mich an diesen sonnigen Augen erlaben, an diesem schalkhaften Lächeln ergötzen kann. Ich verlasse mich auf Ihren Eifer, Mühlfels, und hoffe, Sie werden mich bald, hören Sie, bald, recht bald durch die Nachricht erfreuen, daß Sie das Mädchen aufgefunden haben!«

»Seien Sie versichert, mein Prinz, daß ich keine Mühe scheuen werde!« versicherte Mühlfels.

»Ich werde Ihnen sehr dankbar dafür sein,« fiel der Prinz ein und fuhr alsdann mit erregter Stimme fort: »O, Sie werden mir den Besitz dieses reizenden Kindes verschaffen, dessen bin ich gewiß! Und ist sie mein, dann führe ich sie in diese Villa; denn das Haus muß mein werden um jeden Preis, damit mein Genuß so vollkommen wird, wie ich ihn mir gedacht habe. Wie reizend muß sich die kleine Schäferin in dieser idyllischen Umgebung ausnehmen!«