In solcher Weise erging sich des Prinzen lebhafte Phantasie, durch das Portrait angeregt.

Sie hatten währenddessen den Garten nach allen Seiten durchschritten; denn der Prinz, nur mit seinem interessanten Project beschäftigt, wollte sich zugleich überzeugen, ob der Garten auch ganz nach seinem Geschmack wäre. Dem war wirklich so, und sehr befriedigt ging er nach dem Wagen, indem er während der Weiterfahrt sich vorzugsweise über den bezeichneten Gegenstand unterhielt.

Mühlfels pflichtete ihm in Allem bei, that allerlei Vorschläge in Bezug auf des Prinzen Wünsche, und als sie wieder das Palais erreichten, hegte der Prinz keinen Zweifel mehr, sein Verlangen in jeder Hinsicht erfüllt zu sehen.

Von dieser angenehmen Ueberzeugung erheitert, hatte er seine gute Laune wieder gewonnen und war seiner Umgebung ein gütiger Herr, ja er verstand sich sogar zu einer fleißigeren Theilnahme an den Staatsgeschäften.

Es war spät geworden, als Mühlfels nach der Ausfahrt von dem Prinzen schied; statt jedoch in seine Wohnung zu gehen, begab er sich zu seiner Mutter, die durch seinen so späten Besuch nicht wenig überrascht wurde.

»Es muß eine wichtige Angelegenheit sein, die Dich veranlaßte, mich noch in so später Stunde aufzusuchen,« bemerkte die Baronin, indem sie ihn fragend und erwartungsvoll anblickte.

»Sie täuschen sich in dieser Voraussetzung nicht; es ist in der That so, und es ist mir angenehm, Ihnen mittheilen zu können, daß Ihr Scharfblick keinen kleinen Triumph feiern darf,« fiel Mühlfels ein und erzählte alsdann die bei der Ausfahrt mit dem Prinzen stattgefundenen Umstände.

»Und nun denken Sie sich meine Ueberraschung, meine Mutter,« fuhr er fort, »als ich in den Zügen des Bildes diejenigen Marianens erkannte.« —

»Was sagst Du? Marianens Züge?« rief die Baronin überrascht.

»Durchaus, wenngleich das Bild ziemlich dilettantisch ausgeführt und nur mit einem kleinen Theil aller jener Reize geziert ist, die das Mädchen besitzt und zehnfach mehr geltend zu machen wissen wird.«