»In der That, ein seltener Wohllaut, der mir mehr zusagt, als das Gekreisch unserer italienischen Primadonna,« fiel der Prinz ein, von dem Gesange angezogen, und bemerkte, als dieser endete: »Der Stimme nach zu urtheilen, muß die Sängerin ein noch junges Mädchen sein. Der frische, kecke Ton gefällt mir. Es sind hier also auch Frauen?«

»Allerdings, Hoheit. Der Castellan des Schlosses ist verheirathet und wird wahrscheinlich auch Familie haben. Vielleicht ist die Sängerin seine Tochter.«

»Sie singt wie ein Waldvogel!« rief der Prinz, als der Gesang auf’s Neue ertönte, und fuhr alsdann fort: »Ich möchte das Mädchen einmal sehen, ihre Stimme übt eine angenehme Wirkung auf mich aus, und ich denke, sie hat kein übles Aussehen und ihr Wesen ist so frisch wie ihr Gesang.«

»So wird es sein, und ich hoffe, Hoheit werden in Ihren Erwartungen nicht getäuscht werden.« —

»Das wäre mir lieb; denn eine pikante Waldschöne würde mir den Aufenthalt hier noch angenehmer machen. Sorgen Sie dafür, Mühlfels, daß ich morgen das Mädchen sehen, vielleicht sprechen kann, wenn es mir etwa gefallen sollte.«

»Es wird geschehen, Hoheit, und ich würde mich von Herzen freuen, wenn der Zufall mich in dem Bemühen, Hoheit ein wenig zu vergnügen, durch die Sängerin unterstützte.«

»So lassen Sie uns mit dieser angenehmen Hoffnung zu Bett gehen; denn ich fühle mich ermüdet,« sprach der Prinz und erhob sich.

Mühlfels entfernte sich und bald darauf trat Henry ein, um den Prinzen zu bedienen.

»Nun, Henry, wie gefällt es Dir hier?« fragte der Prinz.

»Sehr gut, Hoheit; denn es giebt hier ganz allerliebste Dinge,« bemerkte der Diener.