»Ich vermag, mein gnädiger Fürst, nicht zu beurtheilen, welcher Worte sich der Chevalier bedient hat, um mein Verhältniß zu der Prinzessin Hoheit zu bezeichnen; eben so wenig weiß ich, wie er die ihm von mir anvertrauten Worte zu deuten für gut befunden. Ich habe nicht mehr gesagt, als ich zu verantworten hoffe, mein Fürst.« —

»Sie weichen einer bestimmten Antwort aus. Lassen Sie alle Umschweife und sagen Sie, ob Ihnen die Prinzessin wirkliche Gunstbezeigungen geschenkt hat,« sprach der Fürst hart und befehlend, wobei er den Baron mit scharfen Blicken fixirte. Dieser wurde dadurch ein wenig verlegen, faßte sich jedoch und entgegnete:

»Ich darf darauf unbedingt bejahend antworten.«

»Das heißt?« fiel der Fürst ein.

»Hoheit haben meine Dienste wohlwollend aufgenommen,« entgegnete Mühlfels zögernd.

»Wie soll ich das verstehen? Es ist hier nicht von Diensten die Rede, sondern von einer Intimität zwischen der Hoheit und Ihnen, deren Sie sich gegen den Chevalier gerühmt haben.«

»Der Chevalier irrte sich, wenn er meiner Mittheilung eine solche Deutung untergelegt hat. Ich habe ihm nur das Wohlwollen bezeichnet, womit mich die Prinzessin beglückt und meine Huldigungen anzunehmen geruhte. Denn ich läugne nicht, mein gnädiger Fürst, daß ich die Prinzessin hoch verehre und mich um Ihre Gunst beworben habe; ich würde jedoch deren Ansehen zu beflecken fürchten, wollte ich die von dem Chevalier mitgetheilten Worte zugeben. Niemals hat mich die Prinzessin durch eine Gunst erfreut, welche ihrer Stellung und der guten Sitte zuwider gewesen wäre.«

»Nun, Boisière, was sagen Sie dazu?« fragte der Fürst und schaute diesen, der bestürzt dastand, fragend an. »Sollte,« fuhr er fort, »etwa Ihr Eifer, mir zu dienen, Sie zu weit geführt haben?«

»Halten zu Gnaden, mein Fürst, die Andeutungen des Barons und selbst sein Wunsch, der Prinzessin statt meiner aufzuwarten, berechtigten mich zu dem abgestatteten Bericht, mehr noch sein Entgegenkommen, als ich ihm früher den Wunsch des gnädigsten Fürsten mittheilte,« entschuldigte sich Boisière.

»Es ist gut, Boisière,« brach der Fürst kurz ab und schritt nachdenkend durch das Gemach. Sein Scharfblick und seine Menschenkenntniß hatten ihn leicht errathen lassen, welcher der eigentliche Urheber der Täuschung war; überdies kannte er den Charakter des Barons genügend.