Das Morgengrauen mahnte ihn, zu scheiden, und er trennte sich nach dem zärtlichsten Abschied von Marianen, — die reichlich Thränen vergoß und ihn nicht von sich lassen wollte — nachdem er ihre Abreise für den nächsten Tag bestimmt hatte. Dieselbe sollte jedoch nicht etwa heimlich und auch nicht in der Dunkelheit geschehen, sondern vielmehr am lichten Tage und während des vollen Treibens in den Straßen, damit sie nicht den Anschein der Verbannung oder ängstlicher Flucht gewann. So wollte er dem Fürsten und seiner anspruchsvollen Gemahlin trotzen.

Und wie er es befohlen hatte, so geschah es.

Nachdem sich Mariane von ihren Thieren wiederholt in der zärtlichsten Weise verabschiedet und ihr Lieblingsäffchen in ihrer Reisetasche sorglich untergebracht hatte, da sie sich von demselben nicht zu trennen vermochte, verließ sie, begünstigt von dem schönsten Frühlingswetter, am Nachmittag die Villa und fuhr stolz durch die Stadt, um auf die Straße nach Paris zu gelangen.

Hunderte neugieriger Augen gafften die Equipage an, allerlei zweideutige Witze wurden laut, und manches spöttische Lächeln folgte ihr, und ehe Mariane noch die Stadt verlassen hatte, durcheilte dieselbe bereits das Gerücht von ihrer Abreise nach Paris.

So erreichte der Prinz seine Absicht und freute sich darüber nicht wenig.

Der Trennung von Marianen sollte am nächsten Tage diejenige von Mühlfels folgen.

Es darf wol kaum bemerkt werden, wie tief der Letztere durch die Fruchtlosigkeit der Bemühungen des Prinzen, ihm Gnade bei dem Fürsten auszuwirken, gebeugt wurde. Aber mit seinem Kummer und Zorn erwachte auch zugleich das lebhafte Verlangen in ihm, sich für die ihm, wie er glaubte, von Sidonien zugefügte Schmach zu rächen. Diese mußte er erdulden; ihre Gunst hatte er auf immer verscherzt; so blieb ihm nur noch das Verlangen nach Rache.

Wie gelegen kam ihm nun die gemachte Entdeckung hinsichts Sidoniens Neigung für den Grafen, und er war schlecht genug, dieselbe in seiner Absicht zu benutzen. Von dem Prinzen eingeladen, im traulichen Beisammensein den letzten Abend bei ihm zu verbringen und ihm durch seine Gesellschaft den Schmerz über Marianens Abreise zu beschwichtigen, hatte er sich bei demselben zur Zeit eingefunden.

Es konnte nicht ausbleiben, daß im Lauf der Unterhaltung auch sehr bald Mühlfels’ Angelegenheiten nochmals von ihnen besprochen wurden, und so geschah es, daß der Baron bemerkte:

»Muß ich auch dem Machtgebot des Fürsten folgen, so bin ich doch überzeugt, daß die Zeit nicht zu fern ist, in welcher er das an mir verübte Unrecht erkennen und einsehen wird, daß ich schuldlos leide.«