»Erwägen Sie selbst, cher ami. Wenn mir der Prinz auch früher bisweilen die Ehre seines Besuchs schenkte, so darf ich mich dennoch nicht seines Vertrauens rühmen, um so weniger in einer Angelegenheit, die er selbst sehr discret behandelt und wahrscheinlich auch also von Jedermann behandelt wissen will.« —

»Sie haben Recht, ganz Recht, meine Beste!« fiel der Chevalier eifrig und eingehend ein und fügte hinzu »Ich habe mir das bereits selbst gesagt und würde Sie daher auch nicht mit einer Frage belästigt haben, betrachtete der Fürst diese Liaison nicht mit günstigen Augen und stände dieselbe nicht in einem so genauen Zusammenhange mit der Angelegenheit Ihres Sohnes.« —

»In der That, das hatte ich nicht bedacht!« fiel die Baronin etwas unruhig ein.

»Sie werden überdies des Fürsten Wunsch natürlich finden, genügenden Aufschluß über dieses Verhältniß zu erhalten, und da wäre es mir in Ihrem Interesse, meine theure Freundin, angenehm gewesen, hätten Sie sich Ansprüche auf des Fürsten Dank durch irgend welche Mittheilungen sichern können.« —

»Sie meinen also, dem Fürsten läge etwas an der Kenntniß dieser Liaison?« fragte die Baronin gespannt.

»Sie können denken! Er verehrt die Dame in hohem Grade, der es gelungen ist, seinen flatterhaften Neffen zu einem ernsten Menschen umzuwandeln, und so kann es Sie nicht überraschen, wenn er auch die näheren Verhältnisse derselben kennen zu lernen wünscht.«

»Sie haben Recht und ich theile Ihre Ansicht; indessen, wenn ich auch etwas wüßte, so darf ich dennoch nichts verrathen.«

»Ich verstehe, meine Gnädige, und lobe Ihre Discretion. Man muß stets wissen, wie viel und was man in dergleichen Angelegenheiten sagen darf, und so will ich nicht weiter in Sie dringen, obgleich ich bedaure, daß Ihnen unter solchen Umständen der Dank des Fürsten entgehen muß,« bemerkte der Chevalier mit einem forschenden Blick auf die Baronin. Zugleich erhob er sich und machte Miene, sich zu entfernen.

»Bleiben Sie doch, lieber Chevalier! Sie haben doch nicht so große Eile?! Wir plaudern noch ein wenig,« beeilte sich die Baronin voll Erregung zu bemerken, indem sie zugleich seine Hand ergriff und ihn auf den Sessel zog.

»Wie Sie befehlen, meine Gnädigste. Sie wissen, es ist mir stets ein hoher Genuß, mich Ihrer Nähe erfreuen zu dürfen,« sprach der Chevalier, die einladende Hand zärtlich küssend, worauf er den Sitz wieder einnahm. »Ja, ja,« fuhr er alsdann unbefangen fort, »es muß in der That ein ganz besonderes Wesen sein, dem es gelungen ist, unsern Prinzen zu fesseln. Man sagt, sie sei aus Paris oder sonstwo ganz in der Stille angekommen und lebe hier im Verborgenen. Das Wunderbarste dabei ist freilich, wie und wo sie der Prinz kennen gelernt hat, und man zerbricht sich darüber die Köpfe, ohne doch eine Erklärung zu finden.«