»Ich kann es mir denken; denn diese Liaison ist auch wirklich unter ganz besonderen Umständen angeknüpft worden,« entgegnete die Baronin lächelnd und selbstgefällig. »Ich erfuhr darüber durch eine Freundin Mancherlei, was ich vielleicht weiter sprechen dürfte. — Es soll also Alles unter uns Drei bleiben?« fragte sie.
»Gewiß, liebste Baronin, und ich sehe nicht ein, was Sie wagen, sich des Fürsten Dank zu verdienen? — Früher oder später würde er diese Geschichte doch immer erfahren, und so ist es jedenfalls für Sie vortheilhafter, wenn er sie von Ihnen erfährt. Von meiner Verschwiegenheit sind Sie hoffentlich überzeugt.«
»Ich bin es, mein Freund, und glaube überdies, daß mich die Pflicht gegen den Fürsten der Rücksicht gegen den Prinzen überhebt.«
»Das darf gewiß nicht bezweifelt werden!« versicherte Boisière, und die Baronin fuhr fort:
»Ich habe dem Prinzen allerdings das tiefste Schweigen gelobt; doch vertraue ich des Fürsten und Ihrer Discretion, mein Freund, und so hören Sie denn.«
Mit wenigen Worten theilte sie ihm alsdann das uns bereits Bekannte mit.
»Der Fürst,« schloß sie, »wird sehr überrascht sein, zu erfahren, daß nicht eine vornehme Dame, sondern ein einfaches Naturkind den Prinzen in so hohem Grade zu fesseln wußte.«
Der Chevalier hatte ihrer Mittheilung mit gespannter Aufmerksamkeit gelauscht; als sie endete, bemerkte er lachend:
»Also eine Liaison à la Louis quatorze! Ich habe so etwas von dem Prinzen erwartet. Die vornehmen Damen hatte er längst satt, ich habe es bemerkt, da konnte ein solcher Rückschlag nicht ausbleiben. Chacun à son goût! Das ist die Parole! Ich bin überzeugt, daß das, was den vornehmen Damen nicht gelang, diesem Mädchen gelingen wird. Sie werden es erleben, meine theure Baronin, daß sich der Prinz wirklich in das Mädchen verliebt, wenn es nicht schon geschehen ist, und sie von ungeheuerm Einfluß auf uns Alle werden kann! Voilà tout! Ein Landmädchen! Diese Nachricht wird dem Fürsten große Freude bereiten, da alle die Unbequemlichkeiten und Rücksichten, welche eine Liaison mit Damen aus der bessern Gesellschaft bedingen, in diesem Fall nicht in Frage kommen. Passen Sie auf, liebste Baronin, diese Art Liebschaft wird viele Nachahmer finden, und kommt dergleichen erst in Mode, so werden die Landmädchen im Preise steigen!«
Und er lachte mit Behagen.