»Schweigen Sie, schweigen Sie!« rief Sidonie mit einer abwehrenden Handbewegung gegen ihn, indem sie zugleich das Haupt sinken ließ.

»Nein, Hoheit, ich darf, ich will nicht schweigen! Meine Ergebenheit für Sie, meine Pflicht gebieten mir, Ihnen die Wahrheit zu verrathen und vor Ihren Augen das Geheimniß zu enthüllen, in welchem der Prinz seine Leidenschaft verbirgt. Es ist von keiner flüchtigen Liaison mehr die Rede, sondern von einem Sie entehrenden ernsteren Verhältniß. Darum mußte ich reden! Vergebung, Hoheit, wenn ich dem Unmuth, der mich erfüllt, und in dem Eifer, Ihnen zu dienen, mich so offen ausdrücke. Ich besitze jedoch ein Recht dazu und bin glücklich in seinem Besitz!« — entgegnete Mühlfels.

»Was sprechen Sie da, Baron!« rief Sidonie, durch Mühlfels’ Benehmen und Aeußerungen in hohem Grade überrascht.

»Ich spreche nur, was ich zu verantworten vermag, und theile Ihnen mit, daß mir dieses Recht durch die Zustimmung des Fürsten gegeben worden ist,« fuhr Mühlfels fort.

»Unmöglich, unmöglich!« rief Sidonie.

»Nicht unmöglich, theure Prinzessin, sondern so wahr, wie das Licht des Tages!«

»Wie können Sie des Fürsten Meinung erfahren haben?« fragte Sidonie erregt.

»Durch seinen Vertrauten, Chevalier Boisière, der mir zugleich des Fürsten Wunsch mittheilte, daß Sie dieselbe durch mich erfahren sollten.«

»Durch Sie, und warum nicht aus seinem eigenen Munde?!«

»Der Fürst mag seine Gründe dazu haben« — fiel Mühlfels mit bedeutungsvollem Blick ein und bemerkte alsdann: »Der Fürst erkennt die Pflicht, Ihnen für des Prinzen beleidigendes Benehmen gegen Sie einen Ersatz in dem Zugeständniß vollster Freiheit bieten zu müssen, da er Ihr Verhältniß zu demselben nicht zu bessern vermag.«