»Du kommst mir sehr erwünscht, Aurelie; denn ich war eben im Begriff, Dich zu mir bitten zu lassen, um mit Dir allerlei sonderbare Dinge zu besprechen,« rief sie ihr entgegen und führte sie nach einem Sessel.
»Was ist geschehen? Du scheinst so bewegt,« bemerkte Aurelie und schaute die Prinzessin fragend an.
»Soeben war Mühlfels bei mir, um mir wegen eines Künstlers Nachricht zu bringen, und theilte mir dabei allerlei überraschende Neuigkeiten mit, die mich in der That verwirrt haben,« entgegnete Sidonie und setzte ihr darauf das Erfahrene auseinander.
Aufmerksam hatte Aurelie ihren Worten gelauscht, während sich zugleich eine gesteigerte Ueberraschung in ihren Zügen verrieth. Als Sidonie schwieg, schaute sie gedankenvoll vor sich hin und bemerkte nach kurzem Sinnen:
»Deine Mittheilung überrascht mich nicht wenig und hat vor Allem die Frage in mir erregt, welche Gründe den Fürsten wol veranlassen konnten, Dich durch Mühlfels mit seinen Wünschen bekannt machen zu lassen. Sage mir, wie benahm sich der Baron dabei?«
»Er legte eine ungewöhnlich tiefe Ergebenheit für mich an den Tag, die wol eine Folge seiner Theilnahme für meine unglückliche Lage ist und dem aufrichtigen Wunsch zu entspringen schien, mich froh zu sehen.«
»Du nennst seine Ergebenheit ungewöhnlich; drang Dir diese nicht etwa die Vermuthung auf, daß dieselbe vielleicht einem zärtlichen Gefühl für Dich entsprungen sein könnte?« fragte Aurelie nachdenklich.
»Wie geräthst Du bei Mühlfels auf einen solchen Gedanken?! Denn, so ich Dich recht verstehe, vermuthest Du, Mühlfels’ Theilnahme für mich sei Liebe.« —
»Ja, Sidonie, so ist es, und Deine heutige Begegnung mit ihm und sein Benehmen befestigen mich noch mehr in dieser Voraussetzung.« —
»Du erschreckst mich!« rief Sidonie bestürzt.