»Soll ich mich durch die Versicherung entschuldigen, daß meine Geschäfte meine Abreise verhinderten?« fragte der Graf.
»O nein, nein! Keine Entschuldigung! dessen bedarf es nicht und ich habe kein Recht, eine solche von Ihnen zu verlangen. Weiß ich doch nur zu wohl, wie viele mir unbekannte Opfer Ihre Güte mir schon gebracht hat!« entgegnete Sidonie, ihm liebevoll in das Antlitz schauend.
»Sie irren, meine Freundin, und ich bitte Sie, mich nicht durch unverdientes Lob zu beschämen,« fiel der Graf ein.
»Dennoch müssen Sie mir gestatten, jener Opfer zu gedenken! Es ist das eine Nöthigung meines Dankgefühls und Sie sollen darin zugleich erkennen, daß ich nicht zu selbstsüchtig bin. Ach, ich bin zu arm, um Ihnen in einer andern Weise danken zu können, und so thue ich es wenigstens durch dieses Bekenntniß.«
Sie hatte vor seiner Ankunft ein paar Erika- und Granatblüthen gepflückt und, zum Sträußchen vereint, an die Brust gesteckt; sie nahm dasselbe jetzt und reichte es ihm stumm aber mit dem innigsten Blick dar.
Schweigend empfing der Graf die Gabe, so einfach, so gewöhnlich, und dennoch wie bedeutsam, da sie an der Geliebten Brust geruht hatte.
Nach kurzer Pause bemerkte Sidonie:
»Sie werden sehen, in welcher Art ich Ihre Reisegeschenke aufbewahrt habe. O, diese haben mir während Ihrer Abwesenheit manche angenehme Stunde gewährt, indem sie die Erinnerung an ihre so interessanten Mittheilungen erneuten und mir dadurch den Anlaß boten, mich durch Lectüre über ihre Reisen näher zu unterrichten.«
»Ich habe das erwartet, meine Freundin, und um so mehr bedauert, Ihnen die Mühe des Lesens nicht durch meine Mittheilungen ersparen zu können,« fiel der Graf ein.
»Wir werden Ihre Güte darum doch in Anspruch nehmen; denn wir sind wenig durch die Lectüre befriedigt worden. Nicht wahr, Aurelie?« bemerkte Sidonie mit einem Blick auf die in der Nähe sitzende Freundin.