»Es ist so, lieber Graf, und so werden Sie Sidoniens Wunsch natürlich finden,« bemerkte Aurelie.

»Dessen Erfüllung mir gewiß großes Vergnügen bereiten wird,« fiel Römer ein.

»O,« erwiderte Sidonie, »schelten Sie uns nur nicht zu selbstsüchtig; wir sind auch bedacht gewesen, Ihnen kleine Erheiterungen zu bereiten, und ich denke Ihnen noch heute den Beweis dafür durch mein Harfenspiel zu geben.«

»In der That? Sie haben sich in so gütiger Weise meiner Vorliebe für Ihr Spiel erinnert?« fragte der Graf, durch das Vernommene in der angenehmsten Weise überrascht.

Die Unterhaltung lenkte sich jetzt auf den herzoglichen Hof und Sidonie bat den Grafen, ihnen über die Heimath Näheres mitzutheilen, welchen Wunsch derselbe gern erfüllte. — Es knüpften sich daran viele Fragen, die Heimath betreffend, und in dem angenehmen Genuß an einander und unter ihrem belebten Gespräch war die Zeit des Alleinseins früher verflossen, als man es erwartet hatte, woran sie die Meldung von der Ankunft des Prinzen Leonhard mahnte. Aurelie führte den Grafen auf dem früheren Wege nach ihrer Wohnung zurück, woselbst er sie verließ, um sich darauf in der üblichen Weise bei der Prinzessin melden zu lassen. Die spionirenden Diener wurden dadurch in der gewünschten Weise getäuscht, indem sie also zu dem Glauben genöthigt wurden, der Besuch des Grafen habe Aurelien gegolten. Sidonie eilte mit freudigem Herzen zu ihrem Bruder, der, durch ihre Einladung ein wenig überrascht, sich nach der Veranlassung derselben erkundigte.

»Ich habe Dir heute eine angenehme Ueberraschung zugedacht,« entgegnete Sidonie heiter und führte ihn darauf in das Gesellschaftszimmer, woselbst der Graf bereits ihrer harrte.

Der Prinz freute sich herzlich über dessen Wiederkehr, die ihm noch unbekannt gewesen und auf welche er nicht mehr gehofft hatte, da der Graf so lange ausgeblieben war; so konnte es nicht fehlen, daß die übrigen Abendstunden, durch Sidoniens Spiel, ihres Bruders Heiterkeit und die lebhafte Theilnahme der Freunde verschönt, nur zu rasch und sehr angenehm dahin gingen.

»Auf baldiges Wiedersehen unter Blumen!« flüsterte Sidonie dem Grafen zu, als sie von einander schieden, in Beider Herzen süßes Glück und frohe, liebliche Hoffnungen.

Drittes Kapitel.

Vor einem bis zum Boden reichenden prachtvollen venetianischen Spiegel stand ein reizendes Mädchen im Negligé und betrachtete sich, wie es schien, mit großer Selbstzufriedenheit.