Der Fürst war durch den Chevalier sehr bald mit der Anwesenheit des Grafen und dessen näheren Beziehungen zu der Prinzessin bekannt gemacht worden, und da Boisière den Grafen zugleich als einen sehr gebildeten und interessanten Mann bezeichnete, erwachte in dem Fürsten der Wunsch, Römer persönlich kennen zu lernen.
Da sich der Graf von dem Hof fern hielt, so gedachte der Fürst sich denselben bei einer geeigneten Gelegenheit vorstellen zu lassen. Diese Gelegenheit fand sich, als der Fürst nach seiner Wiederherstellung wieder das Theater besuchte. Kaum daselbst angelangt, erinnerte er sich Römer’s und ließ, nachdem er dessen Anwesenheit vernommen, sich ihn durch den Chevalier zuführen.
Eine kurze Unterhaltung überzeugte den Fürsten, daß der Ruf von des Grafen Vorzügen durchaus begründet sei. Ueberdies sagte ihm auch dessen Wesen und Benehmen ganz besonders zu, und er entließ den Grafen nicht nur sehr gnädig, sondern auch mit der schmeichelhaften Bemerkung, daß er sich freuen würde, ihn recht oft am Hofe zu sehen.
Der Fürst benutzte zugleich diesen Abend, um seine Absicht in Bezug auf die Prinzessin auszuführen.
Diese befand sich nämlich gleichfalls im Theater. Sein Leiden hatte ihn seit längerer Zeit von ihr fern gehalten und ihn daher an der Ausführung seines Vorhabens verhindert. Er wollte darum das Versäumte nachholen. Durch Mühlfels’ Mittheilungen getäuscht, erachtete er es um so ersprießlicher, sich persönlich zu überzeugen, in wie weit sich seine Erwartungen etwa erfüllen könnten.
Er benutzte daher die erste Zwischenpause und begab sich zu Sidonien.
»Wie sehr freue ich mich, liebste Prinzessin, Sie wieder einmal zu sehen,« bemerkte er in gütigem Ton.
Sidonie dankte und wünschte ihm zu seiner Genesung Glück.
»Man kann auch Ihnen Glück wünschen, meine Liebste; denn ich bin überrascht über Ihr gutes Aussehen. Seit ich Sie zum letzten Mal sah, — ich denke, es sind das mehr denn zwei Monate — ist ja eine wesentliche Veränderung mit Ihnen vorgegangen,« bemerkte der Fürst freundlich und sie mit Wohlgefallen betrachtend.
Sidonie erröthete in dem Bewußtsein, daß diese Veränderung lediglich die Folge ihres Liebesglückes sei; da sie jedoch irgend etwas auf des Fürsten Bemerkung antworten mußte, so entgegnete sie, daß sie sich in der That wohler als früher fühle.