»Das ist mir ja äußerst angenehm zu hören,« fiel der Fürst ein und fügte mit einem besondern Lächeln hinzu: »Man sagt mir, Sie gefielen sich jetzt mehr in Zerstreuungen, und das freut mich von Herzen, denn Sie wissen, daß ich stets gewünscht habe, Sie empfänglicher für die Lebensgenüsse zu finden. Das ist gut, sehr gut. Vermag ich auch leider Ihr übles Verhältniß zu dem Prinzen nicht zu bessern, so wünsche ich doch um so mehr, Sie möchten dadurch nicht in dem Genuß des Lebens beeinträchtigt werden, wozu Sie ja Ihre Stellung und Jugend so sehr berechtigen. Wenn wir,« fuhr der Fürst nach kurzer Pause fort, »durch Leiden belästigt werden, da thun uns heitere und angenehme Personen wohl; ich habe das an mir selbst erlebt, und es ist mir lieb, zu erfahren, daß Sie auch außer den Männern der Kunst und Wissenschaft anderen Persönlichkeiten, wie Baron Mühlfels und Graf Römer, gestatten, Ihnen aufzuwarten.«
Sidonie erschrak und wandte das Auge von ihm ab. Sie fürchtete, verrathen zu sein, und erwartete, daß ihr der Fürst dies jetzt zu erkennen geben würde. Ihr fehlte eine passende Erwiderung, und sie athmete froh auf, als der Fürst nach kurzem Hüsteln also fortfuhr:
»Der Baron ist mir als ein heiterer und angenehmer Gesellschafter bekannt und verdient wegen dieser Vorzüge und aus Rücksicht auf seine Mutter Ihre freundliche Beachtung, und ich wiederhole Ihnen, wie sehr es mich freuen würde, legten Sie einigen Werth auf seinen Umgang.« —
Der Fürst schwieg und schaute die Prinzessin prüfend an, deren Betroffenheit über diese Empfehlung eines ihr fast gleichgiltigen Mannes ihn zu der Vermuthung verleitete, daß er hinsichts eines näheren Verhältnisses zwischen ihr und Mühlfels nicht falsch berichtet sein könnte. Mit einem feinen Lächeln fragte er, die Prinzessin unbefangen anschauend: »Nicht wahr, liebste Prinzessin, Sie sehen den Baron bisweilen?«
»Allerdings, ohne daß ich ihm jedoch einen besondern Vorzug einräume,« entgegnete Sidonie.
»Nun, nun, ich fordere von Ihnen kein Bekenntniß,« fiel der Fürst lächelnd ein. »In wie weit Sie ihn zu bevorzugen geneigt sind, ist Ihre Sache; doch können Sie sich überzeugt halten, daß Ihre Sentiments stets meinen Beifall haben werden.« —
Der Fürst lächelte wieder ein wenig und fuhr, ehe die durch das Vernommene auf’s Neue betroffene Sidonie noch etwas zu erwidern vermochte, fort: »Da ist auch Graf Römer, den ich soeben kennen gelernt habe und der ein eben so tüchtiger Kopf wie angenehmer Mann zu sein scheint und, wie ich hörte, sich gleichfalls Ihrer Beachtung erfreut. Ich wünsche Ihnen zu dieser Bekanntschaft Glück, liebste Prinzessin, und sehe es gern, daß Sie auch an seinem Umgange Geschmack finden. Ich gedenke ihn auch in meine Cirkel zu ziehen, denn er gefällt mir.«
Der Fürst hatte dies im gewöhnlichen Unterhaltungston gesprochen, der Sidonien die angenehme Beruhigung gewährte, daß ihm ihr Interesse für Römer durchaus unbekannt sein müßte und auch er, wie alle Anderen, in dem Grafen nur den ernsten Wissenschaftsmenschen schätzte, der lediglich in seinen Studien Befriedigung fand und sich darum in der Huldigung der Frauen kaum gefallen konnte.
Diese Entdeckung beglückte sie tief und nahm ihrem Herzen rasch die durch des Fürsten Worte in ihr erzeugte Besorgniß. Ebenso that ihr das Lob des Geliebten wohl, noch mehr die Billigung des Fürsten zu ihrem Umgange mit demselben, zu welchem dieser ihr sogar Glück wünschte.
In solcher Weise angenehm berührt, glaubte Sidonie sich verpflichtet, den Fürsten über des Grafen Vorzüge genauer zu unterrichten, damit er dieselben nach Gebühr schätzen konnte, und darum entgegnete sie mit Wärme: