Wiederum schaute der Kammerherr schweigend vor sich hin, während das frühere bezeichnende Lächeln sich auf’s Neue geltend machte.
»Auch die zweite Voraussetzung scheinen Sie nicht zu billigen,« bemerkte der Fürst nach kurzer Pause.
»Ich gestehe, mein Fürst, es ist so. Der Schein trügt am meisten bei den Frauen, namentlich wenn sie noch so jung wie die Prinzessin sind. Jede Frau besitzt nach meinen Erfahrungen hinreichende Leidenschaften, um sich durch sie zu Thorheiten verleiten zu lassen; es kommt nur darauf an, dieselben in der geeigneten Weise hervor zu rufen. Vorhanden sind sie alle Zeit, welche Erkenntniß uns nur zu häufig überrascht. So, meine ich, ist es auch mit der Prinzessin.«
»Wenn ich Ihnen auch Recht geben muß, so bin ich dadurch doch in meinen Entschlüssen um keinen Schritt weiter gekommen. Was helfen alle Betrachtungen, da die Situation ein bestimmtes Handeln fordert,« fiel der Fürst ein. »Sie wissen, daß des Prinzen Tochter nach den Staatsgesetzen zur Thronfolge nicht berechtigt ist; bei der gegenseitigen Abneigung ist an keinen Thronerben zu denken; eine Versöhnung des Paars ist eben so wenig zu erwarten, als eine Trennung der Ehe zulässig: was läßt sich da thun?« —
Der Chevalier blickte den Fürsten mit einem Ausdruck in seinen Zügen an, der unschwer den Zweifel an der Rathlosigkeit seines Gebieters erkennen ließ; alsdann bemerkte er in vertraulichem Ton:
»Corriger la nature!« —
Der Fürst schaute nachdenkend vor sich hin und bemerkte nach kurzer Pause:
»Das ginge; doch ich zweifle, daß sich die Prinzessin dazu verstehen dürfte. Ich glaube, sie besitzt nicht den Muth dazu und hegt zu viele Gewissensscrupel.«
»Der Muth wird sich finden, sobald sie weiß, daß der fürstliche Oheim ihre Neigung nicht nur billigt, sondern dieselbe sogar als ein nothwendiges Mittel zu Staatszwecken betrachtet.«
»Sie können Recht haben.« —