Eine Stunde etwa war seit der Vorüberfahrt Sidoniens dahin gegangen, als Mühlfels durch das Eintreten eines einfachen Mannes in seinen Grübeleien gestört wurde. Das erhitzte Gesicht und der lebhafte Blick desselben verriethen die körperliche Anstrengung, der er ausgesetzt gewesen. Dieser Mann war ein ehemaliger Diener des Barons, den Mühlfels mit dem geheimen Auftrag betraut hatte, die Ausfahrten der Prinzessin zu beobachten, da er selbst dies nicht zu thun vermochte.

»Nun, was bringst Du für Nachrichten?« fragte der Baron, durch das unerwartete Erscheinen seines Spions überrascht. »Solltest Du endlich irgend etwas von Belang entdeckt haben?«

»Ich denke, gnädiger Baron,« entgegnete der Diener selbstgefällig und mit den schlauen Augen zwinkernd.

»Es wird wol nichts Besseres sein, als was ich bereits schon oft von Dir gehört habe,« warf der Baron geringschätzig hin, und es muß bemerkt werden, daß sein Diener ihm schon öfter Berichte über seine Bemühungen gebracht hatte, ohne daß dieselben für Mühlfels irgend welchen Werth gewannen.

»Das werden Euer Gnaden am besten selbst beurtheilen,« bemerkte der Spion.

»So rede denn!« befahl Mühlfels, und der Letztere theilte ihm darauf mit, daß, nachdem Sidonie das Freie erreicht hatte, ihr ein Reiter auf einem prächtigen Pferde gefolgt wäre.

Sie mußte denselben wahrscheinlich erwartet haben; denn in einem Gehölz angelangt, fuhr sie langsamer, so daß der Reiter bequem zu ihr gelangen konnte. Dieser hatte sie begrüßt und alsdann eine Strecke begleitet, während dessen sie sich unterhielten. An einzelnen Stellen hielt alsdann der Schlitten und sie erfreuten sich an der schönen Aussicht. Unter Begleitung des Reiters sei die Prinzessin später nach der Stadt zurückgekehrt. Der Herr habe sich jedoch, bevor sie die letztere erreichten, nach einem freundlichen Abschied von ihr getrennt und sei auf einem Nebenwege fortgeritten.

Mit gesteigerter Ueberraschung hatte Mühlfels dieser Mittheilung gelauscht, und als der Diener endete, preßte er in großer Bewegung die Frage hervor:

»Und ist Dir der Reiter bekannt?«

»Nein, Euer Gnaden. Wie Sie wissen, kenne ich so ziemlich viele der vornehmen Herren hier; diesen habe ich jedoch noch nie gesehen und es muß wol ein Fremder sein.«