»Und verrieth Dir nicht vielleicht seine Kleidung seinen Stand?«

»Durchaus nicht. Er war in bürgerlicher Tracht, ohne jedes Abzeichen, doch schien mir sein Pelz von feinem Tuch und sein Pferd nicht gewöhnlicher Art.«

»Ihm folgte kein Diener?«

»Er war allein.«

»Er begleitete die Prinzessin also nicht nach der Stadt?«

»So war es.«

Mühlfels hatte sich erhoben und ging nachdenkend und bewegt durch das Zimmer. Es war nach langem fruchtlosen Forschen und Spähen die erste wichtige Nachricht, die seine Vermuthung zu bestätigen schien, derselben wenigstens einen Anhalt gewährte.

Wie reich hätte er den Diener belohnt, würde dieser den Reiter erkannt haben.

Daß in diesem Fall ein Einverständniß zwischen diesem und der Prinzessin stattfand, glaubte er nicht bezweifeln zu dürfen, und es kam jetzt vor allen Dingen darauf an, die Beobachtungen auf das sorgsamste fortzusetzen, um bei einer etwa wiederholten Zusammenkunft der Bezeichneten Gewißheit über den Reiter zu erhalten. Um diesen Zweck jedoch zu erreichen, blieb nichts Anderes übrig, als dem Letztern bis zu seiner Wohnung zu folgen; gelang dies dem Diener, so war Mühlfels auch des gewünschten Erfolges gewiß. Er unterwies diesen daher über seine künftige Thätigkeit und entließ ihn alsdann.

Die verschiedensten Gefühle bestürmten ihn bei dem Gedanken, sich in seiner Voraussetzung hinsichts Sidoniens wirklich nicht getäuscht zu haben. Unter anderen Umständen würde er der durchaus nicht ungewöhnlichen Begegnung mit dem Reiter wol kaum irgend welche Bedeutung beigelegt haben; jetzt jedoch, den Qualen gekränkter Eigenliebe, unerwiderter Zuneigung und der Besorgniß preisgegeben, sich vor dem Fürsten bloßgestellt zu haben, griff er gleich dem vom Tode Bedrohten nach dem Geringsten, das ihm Hilfe und Rettung verschaffen konnte. Er that dies zugleich in der beruhigenden Gewißheit, durch seine Maßnahmen seinen Zweck sicher zu erreichen.