Er erachtete die gemachte Entdeckung für zu wichtig, um sie nicht sogleich seiner Mutter mitzutheilen, und begab sich daher zu ihr.

Die Baronin lächelte geringschätzig über seinen Bericht, indem sie entgegnete:

»Deine Eifersucht läßt Dich übersehen, wie wenig auf dergleichen zu geben ist. Glaubst Du, Sidoniens Verehrer würde so unklug sein, ihr in solcher offenen Weise zu begegnen? Das thut man bei einer wirklichen Liaison nicht, und um so weniger, wenn sich bequemere und sicherere Gelegenheiten dazu darbieten. Warum sollte, was Du als vorbedacht hältst, nicht die Folge eines ganz gewöhnlichen Zufalls sein, und ein Bekannter der Prinzessin an einem Ritt in’s Freie nicht Gefallen gefunden und dadurch dieses Zusammentreffen herbeigeführt haben? Wie bedaure ich, daß Dein Diener den Reiter nicht erkannt hat; er würde wahrscheinlich einen Officier oder den Stallmeister des Fürsten entdeckt haben. Die einfache Wintertracht hat ihm gewiß einen Streich gespielt, und in dem Fremden hat vielleicht ein guter Bekannter gesteckt. Alles Uebrige ist ohne Bedeutung.«

Mühlfels wurde durch die geringschätzige Aufnahme seines Berichts verstimmt; wir haben erfahren, mit welchem Interesse er sich an denselben klammerte, und so wird uns sein Verdruß natürlich erscheinen, sich des einzigen Mittels zur Erreichung seiner Absicht in solcher Weise beraubt zu sehen. Freilich glaubte er die von seiner Mutter ausgesprochene Vermuthung nicht ganz verwerfen zu dürfen; es galt jedoch, einen Beweis für die Begründung derselben zu erhalten.

Er gab ihr dies zu erkennen, und sie versprach dagegen, ihm denselben hoffentlich in kurzer Zeit zu verschaffen.

In wenig behaglicher Stimmung trennte sich Mühlfels von seiner Mutter; er wußte nur zu wohl, wie vielen Werth ihre Worte verdienten. Blieb sie jedoch mit ihrer Voraussetzung im Recht, so verlor die gemachte Entdeckung auch jede Bedeutung und alle seine bisherigen Bemühungen wären fruchtlos gewesen.

Die Baronin begab sich an dem heutigen Abend zeitiger als gewöhnlich nach dem Palais der Prinzessin. Sie gedachte nämlich noch bei einer ihr befreundeten und daselbst wohnenden ehemaligen Hofdame vor dem Besuch der Gesellschaft bei Sidonien anzusprechen und mit ihr ein Weilchen zu plaudern, wie sie das nicht eben selten that.

Diese Hofdame besaß für sie einen ganz besondern Werth. Dieselbe stand in dem Ruf, über alle Vorkommnisse am Hofe und in den adligen Familien, namentlich jedoch in dem Palais der Prinzessin, stets auf das genaueste unterrichtet zu sein, und wurde wegen dieses Vorzugs von Gleichgesinnten sehr verehrt.

Selten gelang ihr die Ergründung irgend eines Geheimnisses nicht, und sie war um so gefährlicher, da sie mit der beharrlichsten Ausdauer und großer Geschicklichkeit ihre Absichten zu verfolgen pflegte.

Die Unterhaltung der beiden Damen war eben so vertraulich als lebhaft, worauf die Hofdame eine Dienerin zu sich kommen ließ, mit welcher sie sich heimlich besprach und sie alsdann entließ.