»Dieser!« —
»Wie, der Graf?!« fragte Mühlfels.
»Es ist so,« fiel die Baronin ein und fuhr alsdann flüsternd fort: »Und es kann nichts schaden, wenn wir die Beiden heute ein wenig schärfer als bisher beobachten; ich habe meine Gründe dafür.«
Das Eintreten Sidoniens verhinderte eine verlängerte Unterredung; die Baronin trennte sich von ihrem Sohn und ging der Ersteren entgegen. Ihr Wort hatte auf diesen viel tiefer gewirkt, als sie vielleicht erwartete; denn die Eifersucht machte sich in ihm mit ganzer Gewalt geltend. Sein Unmuth steigerte sich noch wesentlich bei Sidoniens Anblick, deren Wesen und Erscheinung ihm heute ganz besonders reizend erschien, indem er zugleich in ihrem erheiterten Auge einen neuen Beweis ihres geheimen Glücks zu sehen glaubte.
Daß diese Heiterkeit lediglich durch die Anwesenheit des Grafen bedingt wurde und keiner andern Ursache entsprungen war, glaubte er mit Gewißheit annehmen zu müssen, obgleich er dazu keine genügenden Gründe besaß. Die Andeutungen seiner Mutter genügten ihm in dieser Beziehung. Die ihn stachelnde Eifersucht veranlaßte ihn daher, dem Wink seiner Mutter zu folgen und Sidonie und Römer fortan mit geschärften Blicken zu beobachten.
Die Prinzessin begrüßte ihre Gäste in der gewöhnten freundlichen Weise und wandte sich alsdann sogleich an ihren Bruder und den Grafen, und es däuchte dem von Eifersucht erfüllten Baron, daß sie den Letzteren mit ganz besonders gütigen Blicken anschaute, wie dies auch in der That der Fall und schon öfter geschehen war, ohne daß Mühlfels dies bisher beobachtet hatte.
Nachdem sich Sidonie noch mit einigen anderen von ihr bevorzugten Personen unterhalten hatte, war der Augenblick genaht, in welchem der Musiker seinen Vortrag halten sollte und die so lange geführte Unterhaltung verstummte.
Die Leistung des Künstlers befriedigte Sidonie sehr, und sie ließ Mühlfels ersuchen, ihr den Ersteren vorzustellen.
Dies geschah, und nachdem sie dem Musiker einige schmeichelhafte Worte gesagt und dieser sich entfernt hatte, sprach sie dem Baron ihren Dank für seine Bemühungen in dieser Beziehung aus und that dies in der ihr eigenthümlichen freundlichen Weise.
Diese Umstände waren sehr geeignet, ihn in seinen Voraussetzungen wieder wankend zu machen, indem dieselben zugleich seine Eigenliebe wach riefen und ihn zu dem Bedenken leiteten, ob er sich nicht über Sidoniens Empfindungen für ihn vielleicht dennoch getäuscht hätte.