Seine Leidenschaft für die Prinzessin hatte sich in der Besorgniß, ein Anderer erfreue sich ihrer Gunst, so sehr gesteigert, daß ihm jede ruhige Ueberlegung mangelte, und er daher von seinen wechselnden Gefühlen vollständig beherrscht wurde und fortwährend zwischen Hoffen und Entsagen schwebte.
Dem Vortrage des Musikers folgte ein kleines Concert von einzelnen Mitgliedern der Hofkapelle, nach dessen Beendigung die gewöhnliche zwanglose Unterhaltung wieder aufgenommen wurde, an welcher sich auch Sidonie lebhaft betheiligte.
Sie hatte einige Damen und Herren, darunter auch den Grafen, um sich versammelt und besprach mit ihnen ein von dem Adel zu veranstaltendes Carrousselreiten, das in nächster Zeit stattfinden sollte und das Interesse, namentlich in den höheren Gesellschaftskreisen, ganz besonders in Anspruch nahm, als sich ein Diener nahte und dem Grafen ein Zeichen gab, daß er ihn zu sprechen wünschte. In der nahe liegenden Voraussetzung, daß nur ein wichtiger Anlaß die Ursache dazu gegeben haben könnte, zögerte der Graf nicht, sich dem Diener zu nähern. Zu seiner Ueberraschung vernahm er, daß soeben ein Bote aus der Heimath des Grafen angelangt sei, der ihn sogleich zu sprechen wünschte, da die Botschaft nicht den geringsten Verzug gestatte.
In der Besorgniß, eine üble Nachricht zu vernehmen, begab sich der Graf sofort zu dem Harrenden, und seine Besorgniß steigerte sich rasch, als er in dem Boten einen Jäger seines Vaters erkannte, dessen Aussehen die Eile und Anstrengung verriethen, mit welcher er den ziemlich weiten Weg bis zu der Residenz zurückgelegt haben mußte.
»Ihr bringt mir keine gute Nachricht!« rief Römer ihm entgegen, und der Diener bejahte mit ernster Miene. »Was ist geschehen?« fragte der Graf rasch.
»Euer Gnaden Vater ist plötzlich erkrankt und wünscht Ihre schleunige Rückkehr.«
»So ist sein Zustand bedenklich?«
»Der Arzt meint es.«
Der Graf bekämpfte seine Bestürzung und beauftragte den Jäger alsdann, sich sofort in seine Wohnung zu begeben und seinen Diener anzuweisen, ohne Verzug Alles zur Abreise vorzubereiten. In kurzer Zeit würde er zurückkehren und alsdann sogleich aufbrechen.
Der Jäger entfernte sich, und der Graf verharrte einige Augenblicke in dem Vorzimmer. Die erhaltene Nachricht hatte ihn tief gebeugt; er mußte sich sammeln, um der Prinzessin mit der erforderlichen Ruhe wieder nahen und ihr Lebewohl sagen zu können.