Darum würde man es gern gesehen haben, hätte er den Hof, namentlich jedoch Sidoniens Umgang gemieden; denn nur so glaubte man ihn vor einem verfehlten Leben zu retten. Das Alles wußte der Graf sehr wohl; mancherlei Andeutungen hatten ihm das verrathen; seine Liebe für Sidonie war jedoch viel zu selbstsuchtslos, um sich dadurch in seinen edeln Absichten und Handlungen beirren zu lassen. Schweigend duldete er manches mahnende Wort, das er von seiner Familie hinnehmen mußte, und fand es mit einem Lächeln ab, und wenn sich auch der Unmuth bisweilen in ihm erhob, so kämpfte er denselben doch schnell in dem Gedanken an Sidonie nieder.

Ohne eine Ahnung der unheilvollen Folgen, welche sich an seine Abreise knüpften, eilte der Graf in der dunkeln Winternacht auf dem Weg nach der Heimath dahin. So groß auch seine Bangigkeit war, kehrten seine Gedanken dennoch oft in den Gesellschaftssaal der Prinzessin zurück und vergegenwärtigten sich ihre Lage, die sie zwang, ihren Gästen ein unbefangenes Antlitz zu zeigen, obgleich ihre Seele so tief betrübt war. Und er seufzte still vor sich hin, daß es so sein mußte. Er hätte freilich auch ein Bedauern seiner selbst aussprechen können, denn die Gründe dazu waren genügend vorhanden; seine Liebe war jedoch viel zu groß, um selbst unter so bedeutsamen Verhältnissen an sich zu denken.

Während er in der kalten, unheimlichen Nacht Strecke um Strecke zurück legte, sehen wir die Baronin mit ihrem Sohn in großer Behaglichkeit in dem warmen Gemach sitzen und in vertraulichem Gespräch begriffen.

Mühlfels war wie gewöhnlich mit seiner Mutter nach Hause gefahren; Beide beobachteten während der Fahrt ein unheimliches Schweigen, das die Baronin erst unterbrach, als sie ihr Hôtel erreicht und vor dem Kamin Platz genommen hatten.

»Nun, mein Sohn,« begann sie, »ich meine, der heutige Abend ist für uns von großer Bedeutung gewesen, indem er uns eine eben so wichtige als erwünschte Entdeckung machen ließ.«

»Leider!« seufzte der Baron unmuthig.

»Du sagst, leider? Wie soll ich das verstehen? Ich erwartete Deine Freude zu vernehmen und höre statt dessen ein Bedauern!« bemerkte die Baronin mit Ueberraschung.

»Finden Sie dasselbe nicht natürlich? Ich bin überzeugt, Sie haben eben so viel, als ich selbst, gesehen und daher erkannt, daß —«

»Daß ich mit meiner Voraussage durchaus Recht habe!« fiel die Baronin ein und fügte alsdann hinzu: »Es ist so, mein Sohn. Aber ich dächte, dieser Umstand sollte Dir eher Freude als Unmuth bereiten.«

»Wie kann das sein, da er mir die letzte Hoffnung raubte, das Ziel meiner Wünsche jemals erreichen zu können und dem Spott des Fürsten zu entgehen.«