»Deine Eifersucht raubt Dir alle Ueberlegung.«

»Das hätte ich nie und nimmer erwartet!« rief Mühlfels, ohne den Vorwurf seiner Mutter zu beachten.

»Beruhige Dich deshalb. Täuschungen der Art sind namentlich bei vorgefaßten Meinungen sehr natürlich. Doch übersieh in Deinem Unmuth die Vortheile nicht, welche uns die heutige, so willkommene Entdeckung gewährt. Ich denke, mein Sohn, wir sind Deinem Ziel mit großen Schritten näher getreten, indem wir nicht nur der Prinzessin Neigung, sondern auch den Gegenstand derselben kennen gelernt haben.«

»Dieser ernste, kalte Graf!« warf Mühlfels geringschätzig und unmuthig hin.

»Du weißt, mein Sohn, es suchen sich die Gegensätze; doch, davon abgesehen, frägt es sich, ob des Grafen Wesen und Benehmen nicht eine Maske ist, durch welche er zu täuschen bedacht war. Er ist vielleicht eben so wenig kalt als ernst.«

»Daß sie ihn liebt, ist kein Zweifel mehr!« rief Mühlfels erregt.

»Und eben so wenig, daß ein Einverständniß zwischen ihnen besteht,« fiel die Baronin ein und fügte mit Bestimmtheit hinzu: »Ich täusche mich in dergleichen Angelegenheiten nicht so leicht.«

»Wie ihr Auge ihn ängstlich suchte, wie sie bei seinem Anblick erbleichte, als gelte es ihr eigenes Unglück! Sie muß ihn heftig lieben!«

»Ich denke, weiteres Forschen wird diese Voraussetzungen noch mehr bestätigen.«

»Bei Gott, er soll sich ihrer Liebe nicht erfreuen!« rief Mühlfels zornig und streckte die Hand drohend aus.