»O, nun erkläre ich mir sein Hiersein und eingezogenes Leben. Wie konnte ich auch an eine wirkliche Besserung glauben. Der Prinz ist unverbesserlich und ändert nur seine Neigungen. Aber ich wäre zufrieden, würde er dadurch von dem wilden Treiben in der Residenz abgehalten. Forschen Sie weiter, lieber Chevalier; ich möchte diese Angelegenheit genau kennen, um ein richtiges Urtheil darüber zu gewinnen. Ihre Nachricht kommt mir sehr gelegen; denn nun darf ich nach Wunsch handeln. Es fragt sich nur, ob die Prinzessin mit angenehmen Männern umgeht. Wie ich vernommen, empfängt sie meist nur ältere Männer der Wissenschaft und Künste; von solchen, die unserm Plan entsprechen dürften, weiß ich nichts.«
»Doch, mein Fürst, doch!« fiel Boisière ein und fügte mit einem vertraulichen Lächeln hinzu: »Da ist der Baron Mühlfels, des Prinzen Adjutant, bei den Frauen sehr beliebt und durch seine persönlichen Vorzüge zu der ihm bestimmten Rolle sehr geeignet.«
»Sie haben Recht, Chevalier. Der Baron ist ein hübscher und gewandter Mann, wir können das Beste von ihm erwarten,« bemerkte der Fürst.
»Der überdies bereits Ihren Wünschen entgegen kommt, mein Fürst.« —
»Wie das?«
»Seitdem der Prinz nicht mehr so viel in der Residenz lebt, hat man ihn häufig bei der Prinzessin gesehen, ja man will bemerkt haben, daß er sich um deren Gunst bewirbt und ihm Durchlaucht mit nicht gewöhnlichem Wohlwollen entgegenkommt.«
»Das ist ja herrlich!« rief der Fürst erfreut. »So würde denn ohne unser Zuthun vielleicht unser Wunsch erfüllt werden.«
»Das wäre allerdings noch eine Frage, wenn ich Sie recht verstehe, mein Fürst —«
»Ah so!« fiel dieser ein. »Sie haben Recht. Nun, Sie könnten den Baron mit meinen Wünschen bekannt machen und ihm dann wol alles Uebrige überlassen.«
»Wenn Sie es befehlen, mein Fürst, soll es geschehen, und ich bin gewiß, den Baron dadurch auf das Höchste zu beglücken.«