»Ich denke, der Prinz wird sich um so leichter über etwaige Bedenken fortsetzen, wenn er erfährt, daß sein ihm so ergebener Freund von uns ausersehen ist,« entgegnete der Fürst und fuhr alsdann fort: »Ihre Mittheilungen haben mir in der That eine große Sorge genommen, mein lieber Chevalier, und ich danke Ihnen bestens dafür. So wäre denn diese Angelegenheit in der besten Weise geordnet und ich gestatte Ihnen hinsichts derselben freies Handeln. Auch trifft es sich gut, daß des Barons Mutter die Oberhofmeisterin der Prinzessin ist; diese Dame steht in dem Ruf großer Geschicklichkeit, dergleichen Angelegenheiten zu ordnen, und ihr Einfluß auf die Prinzessin müßte nicht ohne Werth sein, falls wir desselben bedürfen sollten und sich die Sache nicht auch ohne diesen nach Wunsch gestaltet.«

»Es dürfte nicht schaden, der Baronin einige passende Andeutungen zu machen, um sie zu einem entsprechenden Handeln zu veranlassen.« —

»Das könnte geschehen, und Ihre Klugheit wird das Richtige zu wählen wissen. Beobachten Sie den Fortgang dieser Angelegenheit recht sorgsam, Chevalier, und bringen Sie mir, sobald irgend etwas von Bedeutung geschehen sollte, sogleich Nachricht. Sie wissen, wie viel mir an der Sache liegt. Mit dem Prinzen gedenke ich erst dann zu sprechen, wenn es die Umstände erfordern.«

Mit diesen Worten entließ der Fürst den Chevalier, der, durch die Unterredung sehr befriedigt, bereits die ihm durch die zarte Angelegenheit in Aussicht gestellten namhaften Vortheile erwog, welche ihm seiner Ueberzeugung nach und bei den von ihm gehegten Ansichten von dem moralischen Gehalt der Menschen nicht entgehen konnten.

Wie er Sidoniens Charakter beurtheilte, haben wir erfahren; seine Klugheit sollte das Uebrige thun, dessen war er gewiß.

Gewöhnt, die Ausführung seiner Absichten nie zu verzögern, begab er sich sogleich zu Mühlfels, den er zu Hause fand und der weit entfernt war, die Veranlassung des Besuchs zu ahnen.

Der Chevalier ließ sich bequem in einen Fauteuil nieder, und nachdem er mit dem Baron allerlei Hofneuigkeiten besprochen, bemerkte er, die Spitzenmanschette fältelnd, wie beiläufig:

»A propos, lieber Baron, man sagt, Sie machten Prinzessin Sidonie den Hof —«

»Entschuldigung, Chevalier, wer sagt dies?« fragte Mühlfels lächelnd.

»Eine sonderbare Frage in der That! Was könnte ich Ihnen nicht Alles darauf antworten! Ich könnte Diesen und Jenen, oder besser ,Diese und Jene nennen; aber um discret zu bleiben, nenne ich Ihnen nur die Luft, die Ihre Leidenschaft verrathen hat,« scherzte Boisière.