»So muß ich mich beeilen, der Prinzessin die Wahrheit zu sagen, denn es bleibt ihr unter solchen Umständen nichts Anderes übrig, als sich dieser entwürdigenden Lage so schnell als möglich zu entziehen!« rief Aurelie erregt und unmuthig, und kehrte zu Sidonien zurück, ohne auf des Barons weitere Vorstellungen zu achten.

»Welche herrliche Vortheile müßte mir der heutige Abend verschaffen, wäre dieser Graf nicht,« sprach Mühlfels unmuthig vor sich hin und gesellte sich alsdann den auf ihn harrenden Herren zu, denen er mit wichtiger Miene das eben Vernommene mittheilte und daran die Vermuthung eines Eclats knüpfte, zu welchem die Prinzessin durch die üble Nachricht veranlaßt sein würde. Man stimmte ihm darin bei und erwog zugleich, ob es nicht gerathen sei, demselben vorzubeugen; Alle aber zuckten die Achseln; Niemand von ihnen wollte für die arme Sidonie eintreten, und wir erkennen daraus, wie sehr hilflos dieselbe war.

Mühlfels täuschte sich in seiner Voraussetzung nicht, denn kaum hatte Sidonie das außergewöhnlich erregte Antlitz ihrer Freundin erblickt, so erkannte sie auch, sich in Bezug auf die Fremde nicht getäuscht zu haben.

Als ihr Aurelie mit wenigen Worten den Charakter der Letzteren bezeichnet hatte, erbleichte sie und schien rathlos; jedoch nur für einige Augenblicke; alsdann reichte sie Aurelien den Arm und bat sie mit so lauter Stimme, daß sie von ihrer Umgebung gehört werden konnte, sie nach dem Wagen zu geleiten, da sie sich nicht wohl fühle. Sie trug der Baronin zugleich auf, dem fürstlichen Paar die Meldung über den Grund ihrer Entfernung zu machen, und verließ alsdann an Aureliens Arm die Loge. Rasch schritt sie an den noch immer berathenden Herren vorüber, die sich schweigend und überrascht verneigten, nicht ohne zu bedauern, kein Mittel zur Vermeidung dieses Eclats gefunden zu haben.

Sidoniens plötzlicher Aufbruch erregte natürlich sowol bei ihrer Umgebung als auch bei den Zuschauern Aufsehen, und ehe die Prinzessin noch ihren Wagen erreicht hatte, durchlief bereits das Gerücht davon die Räume.

Die Meisten erriethen leicht, durch welche Umstände Sidoniens Entfernung hervorgerufen worden war, und billigten dieselbe mit vollem Herzen, und man unterhielt sich darüber so lange in vertraulicher Weise, bis die wieder beginnende Vorstellung das Interesse beanspruchte.

Der Fürst und seine Gemahlin, die von Alledem nichts ahnten, bedauerten Sidoniens unerwarteten Aufbruch um so mehr, da sie eben beabsichtigten, sie zu sich bitten zu lassen, um die Pause durch Unterhaltungen mit ihr auszufüllen.

Wir haben früher erfahren, wie leicht Sidonie durch Hitze und Geräusch angegriffen wurde; das fürstliche Paar war damit bekannt, und so hatte deren frühe Entfernung für sie durchaus nichts Auffälliges.

Wir kehren jetzt zu der fremden Dame zurück, die nach Sidoniens Entfernen durchaus unbefangen und mit vermehrtem Vergnügen der Vorstellung bis zum Schluß beiwohnte, ohne durch irgend Jemand darin gestört zu werden. Daß diese Dame niemand Anders, als Mariane war, darf wol kaum bemerkt werden.

Hören wir nun, welche Umstände sie verleitet hatten, an einem Ort zu erscheinen, an welchem sich, wie sie wußte, sowol der Hof, als auch die Elite des Adels und die Vornehmsten der Stadt versammeln würden.