Auch war ihm bekannt, daß die Prinzessin keinen andern Mann bei Hofe mit ihrem Vertrauen beehrte; Grund genug also für ihn, alle diese Umstände zu benutzen.

Es kam nun darauf an, eine geeignete Gelegenheit zur Ausführung seines Vorhabens ausfindig zu machen. Eine Audienz bei der Prinzessin nachzusuchen wagte er nicht. Dieser Schritt wäre zu auffällig gewesen; er mußte ihn daher vermeiden. Um so erwünschter wäre ihm ein durch den Zufall herbei geführter Anlaß gewesen. Sein Verlangen sollte in der That erfüllt werden.

Am nächsten Vormittage besuchte ihn Boisière, um mit ihm über die Vorstellung und die dabei vorgekommenen kleinen pikanten Ereignisse, sowol unter den Acteurs als Zuschauern, zu plaudern.

Denn es darf kaum bemerkt werden, daß eine Menge interessanter Geschichtchen, die man entweder selbst erfahren oder von Anderen vernommen hatte, von Munde zu Munde gingen, und zwar zum großen Ergötzen der Nichtbetheiligten. Wie hätte das in der damaligen Zeit auch anders sein können, die nicht nur der Klatschsucht den reichsten Stoff, sondern auch zugleich nur zu sehr geneigte Personen, diese Stoffe in der ergiebigsten Weise zu benutzen, darbot. Ein prickelnder Witz, eine ähnliche Zweideutigkeit, vor Allem jedoch eine auf Thatsachen beruhende pikante Geschichte wurden eben so sehr gesucht, als mit übergroßem Beifall aufgenommen.

Und was wußte der Chevalier nicht Alles zu erzählen, was hatte er nicht selbst gesehen, belauscht und errathen, und wie viel mehr war ihm noch zugeflüstert und mitgetheilt worden! — Da war Material, um den Hof und die Stadt einen ganzen Monat zu unterhalten. Und was würden die nächsten Tage noch Alles erzählen!

Der Chevalier befand sich so recht in seinem Element und also sehr behaglich, und Mühlfels theilte als Freund solcher Dinge dessen Stimmung. Ihm diente das Vernommene zugleich als ein Unterhaltungsmittel für den Prinzen, der, von der persönlichen Theilnahme an der Vorstellung abgehalten, dergleichen Geschichtchen mit Begier anhörte und sich dabei köstlich unterhielt.

Nachdem der Chevalier das Füllhorn seiner ergötzlichen Mittheilungen ausgeschüttet hatte, brach er mit dem Bemerken auf, sich von hier aus gerades Weges nach dem Palais der Prinzessin begeben zu müssen, um sich im Namen des Fürsten nach deren Befinden zu erkundigen.

»Wie geht es der Prinzessin, lieber Baron? Die gestrige unangenehme Geschichte hat sie doch nicht wirklich krank gemacht?« fragte er.

»Ich habe darüber noch nichts vernommen,« entgegnete Mühlfels zurückhaltend.

»O, o, lieber Baron, nichts vernommen! Wozu mir gegenüber dergleichen Koketterien?« fiel der Chevalier lachend ein.