Fragend schaute er den Baron an, der in Bezug auf die zu gebende Antwort mit sich bereits im Klaren war und bedeutsam lächelnd entgegnete:
»Mein lieber Chevalier, Sie wissen, daß wir Sie hier am Hofe als das Vorbild eines galanten Cavaliers verehren; versetzen Sie sich in meine Lage und rathen Sie mir, was ich Ihnen antworten soll. Sie haben vorhin bemerkt, jede Liaison verlange eine gewisse Façon; diese Meinung ist mir zu bedeutsam, um sie nicht in diesem Fall zu beobachten. Ich will meinem verehrten Vorbilde ein wenig Ehre machen. Und so stelle ich es Ihrer Klugheit anheim, dem Fürsten nach Belieben zu berichten; denn was Sie ihm zu sagen für gut befinden, wird meinen ganzen Beifall gewinnen. Ihnen mehr zu vertrauen, wird daher nicht nöthig sein, noch halte ich mich dazu berechtigt.« —
Der Baron hätte den Chevalier durch nichts leichter täuschen können, als indem er seiner Eitelkeit schmeichelte und, ohne ein wirkliches Geständniß abzulegen, sich auf Andeutungen beschränkte, die sehr geeignet waren, dasjenige zu errathen, was er verschwieg, jedoch als bedeutsam erkannt zu sehen wünschte.
»Als echter Cavalier gesprochen, cher Baron!« fiel der Chevalier geschmeichelt und vertraulich ein, indem er Mühlfels’ Hand ergriff und drückte. »Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, und denke, Sie werden mit mir zufrieden sein. Ich will die Angelegenheit — Sie haben ganz Recht, sie ist äußerst difficil — in der gewünschten Weise tractiren; verlassen Sie sich ganz auf mich und seien Sie überzeugt, nicht nur in Ihrem Sinn, sondern auch in Ihrem Vortheil.«
»Ich habe das erwartet, mein theurer Chevalier, und bin beglückt, diese Sache in Ihren klugen Händen zu wissen,« entgegnete Mühlfels, indem er den Händedruck des Chevaliers erwiderte.
»Trotzdem muß ich noch einmal auf meine frühere Frage, ob Ihnen in Bezug auf die Intentionen der Prinzessin in der bewußten Angelegenheit nicht etwas Bestimmtes bekannt geworden ist, zurück kommen,« bemerkte der Chevalier und blickte Mühlfels fragend an. »Wissen Sie nichts?«
»Aufrichtig gesprochen, nein. Die Prinzessin war zu aufgeregt und unmuthig, um an dergleichen zu denken,« entgegnete Mühlfels in einer Weise, als hätte er Gelegenheit gehabt, Sidonie näher zu beobachten.
»Das ist fatal!« rief der Chevalier. »Ich weiß nicht, was ich dem Fürsten sagen soll.«
»Vielleicht ließe sich diese Angelegenheit durch mich erledigen,« bemerkte Mühlfels nachdenkend.
»Das wäre prächtig!« fiel der Chevalier erfreut ein. »Wie gedenken Sie, mein Lieber?« fragte er.