»Ich verstehe Sie, Baron. Freilich, wer hätte den Muth, ihm dergleichen zu verrathen. Ob auch der ganze Hof beleidigt wurde, was hat das zu sagen? Man nimmt das schweigend in der Besorgniß hin, sich durch ein aufklärendes Wort die Gnade des künftigen Regenten zu verscherzen.«
»O, glauben Sie das nicht, Hoheit!« betheuerte Mühlfels mit Wärme. »Sie würden den Beweis dagegen erhalten haben, hätten Sie das Schauspiel nicht verlassen.«
»Wie das, Baron?« fragte Sidonie überrascht.
»Ich selbst war willens auf die Gefahr hin, mir des Prinzen Ungnade zuzuziehen, die Entfernung des Mädchens zu veranlassen,« entgegnete Mühlfels durchaus sicher.
»Sie, Baron? — — Und warum thaten Sie es nicht?«
»Weil ich durch maßgebende Personen davon abgehalten wurde; als ich trotzdem meine Absicht ausführen wollte, entfernten sich Hoheit. Damit hörte jedes Interesse für diese Angelegenheit für mich auf. Ueberdies war auf den Fürsten Rücksicht zu nehmen. Hoheit werden zugeben, daß jedes Aufsehen vermieden werden mußte, und dieses konnte mit Gewißheit bei dergleichen Maßnahmen erwartet werden. Das Entrée berechtigte einen Jeden zur Theilnahme an dem Schauspiel, und es war daher eine unangenehme Scene zu besorgen.«
Sidonie schwieg einige Augenblicke, alsdann fragte sie:
»Sie glauben also, daß der Prinz mit dem Besuch nicht bekannt war?«
»Ich wiederhole, daß ich mich außer Stande fühle, darauf zu antworten; ich versichere jedoch Eurer Hoheit, wie tief mein Schmerz und Unmuth war, Sie also leiden zu sehen.«
Die Prinzessin blickte nachdenkend vor sich hin, und es schien, als wäre sie durch seine Theilnahme an ihrem Kummer angenehm berührt worden.