»Nun, liebste Prinzessin, was verschafft mir die seltene Ehre Ihres Besuchs?«

»Sollte Ihnen die Veranlassung dazu nicht bereits bekannt sein, mein Fürst?« entgegnete Sidonie mit etwas bewegter Stimme.

»In der That, Prinzessin, ich errathe nicht,« bemerkte der Fürst ziemlich unbefangen und blickte sie fragend an.

»Es betrifft die Anwesenheit einer Person bei dem neulichen Carroussel-Reiten, durch welche nicht nur ich, sondern auch der Hof beleidigt worden ist. Ich bin überzeugt, daß Ihnen dieser Vorfall nicht verborgen geblieben ist,« sprach Sidonie mit vermehrter Bewegung.

»Ah so! Jetzt erst verstehe ich Sie,« fiel der Fürst ziemlich gleichmüthig ein und fügte hinzu: »Man hat mir davon erzählt; denn ich selbst habe nichts bemerkt. Ich will nicht fürchten, daß Sie sich dadurch irgendwie haben alteriren lassen.« —

»Wie, mein Fürst?!« fragte Sidonie und schaute ihn mit Befremden an.

»Sie müssen dieser Sache keine Bedeutung beilegen, da sie in der That durchaus unbedeutend ist. Sie stehen zu hoch, um ein solches Mädchen einer Beachtung zu würdigen. So etwas übersieht man gewöhnlich. Wie mir der Prinz gesagt, ist der Besuch ohne seinen Willen und sein Wissen gemacht worden,« bemerkte der Fürst leichthin.

Ueber das Vernommene nicht wenig erstaunt, blickte ihn die Prinzessin einen Augenblick an, alsdann entgegnete sie mit sichtlicher Erregung.

»Es steht mir nicht zu, zu ergründen, in wie weit Sie, mein Fürst, und Ihre Gemahlin davon berührt worden sind, das muß ich Ihrem Belieben anheim geben; ich bin gekommen, um Ihnen zu erkennen zu geben, daß ich mich in meiner Ehre durch diesen Besuch der — Geliebten meines Gemahls tief gekränkt fühle und es mir und meiner Familie schuldig zu sein glaube, mir dafür eine entsprechende Genugthuung von Ihnen zu erbitten.«

»Ja, ich kann die Sache doch nicht mehr ungeschehen machen, meine liebste Prinzessin, und welche Genugthuung läßt sich in einem solchen Fall geben? — Darum lassen Sie diese Angelegenheit fallen und erwägen Sie, daß wir ja gern geneigt sind, auch Ihren Passionen alle Rücksicht zu schenken,« entgegnete der Fürst und schaute sie mit einem zweideutigen Lächeln an.