»Meinen Passionen? Wie soll ich das verstehen, mein Fürst?« fragte Sidonie mit Ueberraschung.
»Ich denke, wir sprechen nicht darüber; denn dergleichen Erörterungen dürften Ihnen nicht eben angenehm sein,« — bemerkte der Fürst leichthin.
»Doch, doch, mein Fürst, und ich bitte darum!« fiel Sidonie in bestimmtem Ton ein.
»Und ich will Ihnen dagegen mit der Frage entgegen kommen, ob die Ernennung des Baron Mühlfels zu Ihrem Kammerherrn Ihnen erwünscht wäre?« entgegnete der Fürst und forschte in ihren Mienen, um, wie es schien, die Wirkung seiner Worte zu beobachten.
»Keineswegs, mein Fürst, ja ich habe sogar triftige Gründe, mir dieses Belieben zu verbitten,« wandte Sidonie ein, durch das Vernommene überrascht.
»Keine Koketterie, liebste Prinzessin! Wir sind unter uns und dürfen uns also nicht geniren. Ich weiß, daß Sie den Baron durch Ihre Gunst beehren,« fiel der Fürst ein.
»Ihre Behauptung setzt mich in Erstaunen! Wer durfte Sie also täuschen?!« fragte die Prinzessin voll Entrüstung.
»Lassen Sie das Spiel, Liebste! Ich versichere Sie, ich weiß um Ihre Liaison mit dem Baron und gestehe Ihnen zugleich zu Ihrer Beruhigung, ich billige dieselbe nicht nur, sondern sehe sie auch aus manchen Gründen gern. Sie werden mich verstehen.«
»Nein, mein Fürst, ich verstehe Sie nicht; aber ich erkenne, daß Sie wie ich das Opfer einer schändlichen Intrigue sind!« rief die Prinzessin, vor Unwillen hoch erröthend und in der ganzen Würde ihrer Unschuld.
Ihr Verhalten verfehlte seine Wirkung auf den Fürsten nicht; er wurde unsicher und blickte sie verlegen an, indem er entgegnete: