»Wie, man sollte es gewagt haben, Sie ohne jeglichen Grund in solcher Weise zu compromittiren?!«
»Sie fragen das noch, mein Fürst? Giebt Ihnen mein Leben hierauf nicht die deutlichste Antwort?«
»Eine bloße Erfindung ist in diesem Fall fast undenkbar. Sie müssen irgend einen Anlaß dazu geboten haben.«
»Ich schwöre Ihnen, mein Fürst, daß dies nicht der Fall ist! Wer beleidigte Sie und mich durch eine so freche Lüge?«
»Der Baron selbst hat sich Ihrer Gunst gerühmt!«
»Allmächtiger Gott!« rief Sidonie in tiefer Bewegung, während Thränen ihren Augen entquollen.
Der Fürst mißdeutete sich ihr Verhalten, indem er darin einen Beweis ihrer Schuld zu finden meinte, so wie er den sich darin aussprechenden Unmuth auch als ein Zeichen der tiefen Verletzung betrachtete, welche der Verrath ihres Günstlings ihr bereitet hatte. Diese Entdeckung kam ihm sehr gelegen und er beeilte sich, sie mit den Worten zu beruhigen:
»Rechnen Sie ihm das nicht zu hoch an, denn ich kann Ihnen zu seiner Entschuldigung sagen, daß er sich nur einem meiner zuverlässigen Leute anvertraute.«
»Wie tief muß ich in Ihrer Achtung stehen, daß Sie seinen Worten Glauben schenken konnten!« rief Sidonie, die sich wieder gesammelt hatte, und fügte hinzu: »Kennen Sie nicht mein Leben? Liegt es nicht offen vor Ihnen? Oder hat Ihnen mein Benehmen jemals Anlaß gegeben, so übel von mir zu denken?!«
»Ihre Trennung von dem Prinzen, — die Verhältnisse« — wandte der Fürst entschuldigend ein.