Von der Kälte durchschauert, eilten die Freundinnen in das Wohngemach der Prinzessin, woselbst ein wärmendes Feuer in dem Kamin brannte. Sie erquickten sich an demselben, ohne daß jedoch eine freundlichere Stimmung über sie kommen wollte. Selbst die treue Aurelie unterlag an dem heutigen Abend den Einflüssen des Unwetters, das im Lauf der Zeit immer heftiger und beängstigender wurde.

Eine kurze Zeit saßen die Freundinnen schweigend bei einander, alsdann ergriff Sidonie das Wort.

»Wie der Sturm tobt, die Wälder rauschen und der Regen die Mauern peitscht!« sprach sie aufhorchend.

»Der Winter kündet uns sein Nahen an,« bemerkte Aurelie, sich fester in ihren Shawl hüllend.

»So werden wir denn bald den dritten hier erleben müssen,« bemerkte Sidonie betrübt. »O, daß Du mit mir leidest, schmerzt mich tief!« fügte sie bewegt hinzu.

»Denke nicht an mich, meine Gute! Was gelten die kleinen Entbehrungen, die mir hier fühlbar werden, gegen das Dir auferlegte Leid? O, glaube mir, ich ertrage unsere Abgeschiedenheit in dem Bewußtsein, diese mit Dir zu theilen und durch meine Gegenwart sie Dir weniger fühlbar zu machen, mit Freuden.«

»Ich weiß es, aber um so lebhafter ist auch der Wunsch in mir, Dich in glücklichen Verhältnissen zu sehen.«

»Was willst Du, meine theure Freundin? Ist mein Leben nicht ein befriedigendes, da ich einem so guten Zweck dienen kann: den schuldlos Leidenden beizustehen und sie in ihrem Kummer zu trösten?«

»O wäre es mir doch einst vergönnt, Dir Deine treue Liebe vergelten zu können!«

»Sei überzeugt, daß mit der glücklichen Gestaltung Deiner Verhältnisse auch mein Leben an Freuden gewinnt. Das Schicksal hat unsere Herzen ja so eng verkettet, daß wir kein getrenntes Glück kennen. Und ich hoffe, es werden auch uns einst freundlichere Tage kommen; der Fürst muß früher oder später zu der Einsicht gelangen, wie unrecht er Dir gethan hat.«