Einsam lag der wenig benutzte Weg da; denn nur selten brachte er einen Wanderer oder Leute aus den nahgelegenen Orten nach dem Schloß. Eben richtete Aurelie ihr Auge wieder auf ihn, als sie einen Reiter entdeckte, der aus dem Walde kam; sie machte Sidonie darauf aufmerksam, indem sie bemerkte:

»Täuscht mich mein Auge nicht, so ist es ein Jäger.«

Sidonie hatte hingeblickt und stimmte ihr bei, ohne dem sich rasch nähernden Reiter eine besondere Beachtung zu schenken.

»Der Mann wird aus dem Waldhause sein,« meinte sie.

»Du irrst. Es ist ein Feldjäger,« erwiderte Aurelie, die schärfer hingesehen hatte.

»Also vom Hofe!« fiel Sidonie erregt ein, indem sie jetzt den Nahenden genauer beobachtete. »Man wird mir den Tod des Fürsten melden,« fügte sie hinzu.

»So wird es sein,« meinte Aurelie und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Nach wenigen Augenblicken hielt der Reiter vor dem Schloß; er war, wie Aurelie erkannt, ein fürstlicher Courier.

Kurze Zeit darauf erschien ein Diener und überreichte Sidonien einen Brief mit der Meldung, daß derselbe aus dem Cabinet des Fürsten käme. Von der Voraussetzung erfüllt, daß derselbe nichts weiter als die Todesanzeige des Fürsten enthalten würde, erbrach Sidonie den Brief.

Es war so, wie sie erwartet hatte. Der Prinz theilte ihr mit wenigen Worten das erfolgte Ableben seines Oheims mit, und da ihre Voraussetzung also bestätigt wurde, schenkte sie den dieser Meldung beigefügten Worten kaum eine Aufmerksamkeit. Da fiel ihr Auge auf die letzteren, die also lauteten: