»Beifolgend die letztwillige Bestimmung des Fürsten.«
Rasch hatte sie das Blatt umgeschlagen, und der Namenszug des Fürsten leuchtete ihr auf dem beigefügten Schreiben entgegen.
Mit zitternder Hast überflog sie dasselbe und ein Freudenschrei entriß sich ihren Lippen.
»Wir sind frei, frei!« rief sie in Thränen ausbrechend und sank an die Brust der sie mit freudigem Erstaunen umarmenden Freundin.
Letztes Kapitel.
Um die so gütige Maßnahme des Fürsten hinsichts der Prinzessin zu erklären, müssen wir an den Hof und in eine frühere Zeit zurückkehren.
Wir haben bereits erfahren, daß des Fürsten Wünsche in Bezug auf die Wiedervermählung des Prinzen und die Thronfolge sich in der besten Weise erfüllt hatten.
Die Gemahlin des Prinzen entsprach in jeder Weise seinen Ansprüchen.
Einfach in ihrem Wesen, ohne besondere Geistesbildung, von sehr ruhiger Gemüthsart, fühlte sie sich in ihrer neuen Stellung durchaus wohl und war weit entfernt, irgend welche besondere Ansprüche an den Prinzen zu erheben.
Diese Umstände waren aber sehr geeignet, den Prinzen mit der getroffenen Wahl zufrieden zu stellen; eines solchen Charakters bedurfte er gerade, einer Natur, die ihm nicht wie Sidonie geistig überlegen, und obenein fern von allen moralischen Bedenken war. Seine Ehe genirte ihn in keiner Beziehung, und das hatte er ja eben gewollt. Sie lebten einförmig neben einander, ohne sich gegenseitig durch irgend welche Prätensionen zu belästigen, und dieser Umstand führte die gute Folge herbei, daß das erforderliche Interesse für seine Gattin in dem Prinzen erhalten wurde und man seine Ehe als eine überaus glückliche pries.