Du wirst die Begnadigung noch heute abgehen lassen, damit die Prinzessin sie während des Glockengeläutes empfängt, das ihr meinen Tod verkündet.«
Der Fürst schwieg, sammelte sich ein wenig, reichte dem Prinzen die Hand und bemerkte:
»So lebe wohl! Geh', ich will ein wenig schlummern, denn das viele Sprechen hat mich angegriffen.«
Durch die einfache, aber um so wirkungsvollere Mahnung des Sterbenden in hohem Grade erschüttert, wagte der Prinz keine Erwiderung auszusprechen, wozu er sich überdies auch nicht fähig fühlte, sondern ergriff schweigend die ihm dargereichte welke Hand, drückte sie leicht an die Lippen und verließ alsdann das Gemach.
So trennten sich Oheim und Neffe für immer.
Der Fürst schloß die Augen und sank in den Sessel zurück.
»Er wird wie Sardanapal in den Armen seiner Buhlerinnen untergehen,« murmelte er vor sich hin und fiel alsdann bald in einen ohnmachtähnlichen Schlummer. Sein Aussehen änderte sich rasch.
Niemand erschien; überall ängstliche Stille und Einsamkeit. Nur das Picken eines Spechtes an einem morschen Baume im Park tönte herein und klang, als klopfte man Nägel in einen Sarg.
Die Aerzte hatten sich nicht geirrt; des Fürsten Lebenskraft schwand rasch hin. Als die Sonne niederging und ihre feurigen Strahlen über den Park ausgoß, schlug er zum letzten Mal die Augen auf und schaute mit erweiterten Blicken in die heller und heller auflodernde Abendgluth, und als sie verblaßte und in die dunkle Nacht versank, seufzte er auf und verschied. Er starb, wie er es gewünscht; nur mit dem Tod allein. Denn Niemand war bei ihm; nur seine Lieblinge blickten in sein brechendes Auge und legten sich alsdann zu den erkalteten Füßen ihres Gebieters.