Aurelie hatte wegen eines leichten Unwohlseins bereits die Ruhe gesucht und konnte ihr also nicht Gesellschaft leisten. Sidoniens Stimmung war an diesem Abend besonders gedrückt. Der Graf hatte sie heute nämlich mit der betrübenden Nachricht verlassen, durch allerlei Verhältnisse an seinem baldigen Besuch verhindert zu sein, indem er zugleich im Hinblick auf den nur noch kurzen Aufenthalt Sidoniens im Bade andeutete, daß sein nächster Besuch wahrscheinlich auch der letzte würde sein müssen.

Sidonie erkannte, sich darin fügen zu müssen, aber um so schmerzlicher bewegte sie daher auch der Gedanke, daß ihr schönes Glück nun bald sein Ende finden sollte.

Und welch eine Zukunft erwartete sie! —

Ihr Herz empörte sich in der Voraussicht derselben, indem sich zugleich der Entschluß in ihr befestigte, auf's Neue die erforderlichen Schritte zur Trennung von dem Prinzen zu thun, um den auf sie harrenden Leiden zu entfliehen.

Daß sie nur durch einen beharrlichen Kampf zu diesem Ziel gelangen würde, wußte sie; aber sie erkannte auch ebenso die unabweisbare Nothwendigkeit, zur Erlangung desselben vor keiner Mühe schwächlich zurück zu beben. Galt es doch dem Glück des ihr so theuren Mannes, mit welchem sich ihr eigenes so innig verkettete, galt es doch, sich aus den entehrenden Fesseln zu befreien.

Die wenigen Tage, welche ihr mit Römer zu verleben gestattet worden waren, hatten überdies die Sehnsucht nach einem dauernden und ungetrübten Verein mit ihm in hohem Grade gesteigert, so daß sie es für unmöglich erachtete, fernerhin ohne ihn leben zu können.

Von allen diesen Empfindungen und Erwägungen in hohem Grade bewegt, lehnte sie sich vom Balkon hinaus und schaute in die tiefdunkle Nacht. Ihre Gedanken verfolgten den geliebten Mann, der auf dem Wege zur Heimath dahin eilte.

Ein Bangen erfüllte sie, als sie den mit dunkeln Wolken bedeckten Himmel betrachtete, aus welchem in der Ferne heftige Blitze zuckten, denen ein schwacher Donner folgte.

Und die Angst ergriff sie, er könnte von dem Unwetter zu leiden haben, und beklagte es, daß er seine Abreise nicht bis zum nächsten Tage verschoben hatte.

Und die Blitze zuckten immer heftiger, vernehmlicher wurde der Donner, beängstigender die schwüle Nachtluft.