Des Prinzen Zerwürfniß mit dem Fürsten war noch nicht ausgeglichen worden, und so wagte der Erstere nicht, sich bei diesem für Mühlfels zu verwenden, da er überdies die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen voraussah. Er vertröstete ihn daher für eine geeignetere Zeit, die, wie er meinte, bald eintreten dürfte. Um jedoch etwas von Belang für seinen Günstling zu thun, veranlaßte er die Baronin, den Fürsten persönlich im Interesse ihres Sohnes anzugehen. Ein solcher Schritt war in jeder Hinsicht gerechtfertigt, und die Baronin zögerte denn auch nicht, denselben zu thun.
Ihre Mühe war jedoch fruchtlos, denn der Fürst entließ die getäuschte Oberhofmeisterin mit dem Bedeuten, daß ihrem Sohn der Aufenthalt in der stillen Garnison sehr gut thue und er ihn deshalb noch einige Zeit daselbst lassen würde.
So sah sich denn der Baron genöthigt, das Unabänderliche mit Geduld zu ertragen; je mehr er jedoch darunter litt, um so mehr steigerte sich auch in ihm das Verlangen, sich an der Urheberin seiner Leiden rächen zu können.
Was ihn zu trösten schien, war der rege Briefwechsel, den er mit dem Prinzen unterhielt.
Weitere Bemühungen um seine Entlassung aus dem Dienstverhältniß fanden fortan nicht statt, und es schien, als ob sich der Baron mit demselben bereits ausgesöhnt hätte.
In dem Benehmen des Prinzen gegen den fürstlichen Oheim trat bald nach Sidoniens Abreise eine wesentliche Aenderung ein, indem der Erstere bei einer geeigneten Gelegenheit diesen wegen seiner Thorheiten und seines aufbrausenden Benehmens nicht nur um Verzeihung bat, sondern ihn auch überdies durch eine vermehrte und fast eifrige Theilnahme an den Staatsgeschäften auszusöhnen sich bemühte.
Der Fürst, von dem Glauben erfüllt, daß dies Alles lediglich die Folge seiner strengen Maßregeln wäre, freute sich darüber nicht wenig, indem er daraus die Zweckmäßigkeit derselben entnahm. Nicht minder erfreute es ihn, von Sidonien zu vernehmen, welche gute Wirkungen der Gebrauch des Bades auf sie erzeugt hatte, indem er zugleich hoffte, daß ihm nun auch vielleicht die Aussöhnung des getrennten Paares gelingen würde.
In dieser angenehmen Aussicht war es ihm besonders lieb, daß sich der Prinzessin Charakter trotz der von ihm gebilligten verführerischen Maßnahmen dennoch so trefflich bewährt hatte, indem dem Prinzen dadurch jeder Anhalt zu einer Weigerung, das frühere Verhältniß wieder herzustellen, genommen wurde. Er schrieb der Prinzessin einige freundliche Worte, ohne jedoch seiner geheimen Wünsche und Erwartungen zu gedenken.
Noch freudiger überrascht wurde er durch des Prinzen Antwort auf Sidoniens Mittheilung über die Erkrankung der Tochter, die ihm dieser, vielleicht absichtlich, eingehändigt hatte, um sie mit des Fürsten Brief an Sidonie durch den Courier befördern zu lassen.
Ihm war dieselbe ein Beweis des wiedergewonnenen Interesses, welches der Prinz für seine Gemahlin hegte, und wie sehr die Trennung zur Erzeugung von dergleichen guten Wirkungen geeignet ist.