»Wie, Prinzessin?« rief der Fürst, unangenehm überrascht, und blickte sie forschend an.
»Es ist so, wie ich sagte,« bemerkte Sidonie ruhig.
»Sie übereilen sich!« fiel der Fürst ein, durch die Erkenntniß der nichts weniger als geahnten Selbsttäuschung.
»Durchaus nicht, vielmehr hat sich mein Entschluß nach reiflichem Erwägen desselben nur noch mehr befestigt,« entgegnete Sidonie.
»Das ist in der That ein übles Wiedersehen, und ich gestehe Ihnen, so etwas nicht erwartet zu haben!«
»Ich bedaure das; doch erinnere ich Sie, daß Sie nichts berechtigte, mein früheres Verlangen für erledigt zu betrachten.«
»Doch, doch!« bemerkte der Fürst und fügte voll Eifer hinzu: »Ich bin bedacht gewesen, Ihnen in jeder Beziehung Genugthuung zu verschaffen, meine Maßnahmen in Ihrem Interesse haben überdies die guten Folgen gehabt, daß der Prinz eine liebevollere Theilnahme für Sie zeigt und sich auch in jeder andern Beziehung sehr lobenswerth geändert hat. Was verlangen Sie also noch mehr? Sie müssen das Alles anerkennen und dürfen daher die sich Ihnen zur Versöhnung darbietende Hand nicht zurückweisen.«
»Ich bezweifle, daß diese wirklich von dem Prinzen gewünscht wird.«
»So gilt Ihnen mein Wort nichts?!« fragte der Fürst.
»Doch, mein Fürst; indessen habe ich Gründe zu der Vermuthung, daß der Prinz selbst einen solchen Wunsch nicht ausgesprochen hat,« entgegnete Sidonie, ohne sich durch des Fürsten fast strengen Ton einschüchtern zu lassen, und setzte alsdann mit ruhiger Stimme hinzu: »Ihre Worte, mein gnädiger Fürst, verrathen mir überdies, wie sehr Sie sich über die von dem Prinzen für mich gehegten Gefühle täuschen; wären Sie bei dem Empfange anwesend gewesen, womit mich der Prinz überraschte, so würden Sie zu einer andern Ansicht hierüber gelangt sein. Denn der Prinz achtet mich weder, noch liebt er mich, sondern er haßt mich, und welcher Art meine Empfindungen für ihn sind, darf ich Ihnen kaum sagen. Nichtachtung und Haß erzeugen nur ihres Gleichen, so wie Liebe die Liebe erzeugt. Sie täuschen sich daher nicht nur in dieser Beziehung, sondern scheinen auch nicht erkannt zu haben, daß der Prinz mir den Verlust seiner Geliebten und seines Günstlings nicht vergeben hat, vielmehr erfreut sein würde, sich dafür an mir rächen zu können.«