Eine zu große Zurückgezogenheit und das Aufgeben der gewöhnten gesellschaftlichen Beziehungen würden auch jedenfalls Aufsehen erzeugt haben, was sie zu vermeiden wünschte. Die Vorsicht gebot überdies, den Grafen fortan nur in Begleitung ihres Bruders zu empfangen und sich auf diese Besuche und die Gesellschaftsabende zu beschränken, um künftigen übeln Beurtheilungen vorzubeugen.

Einige Wochen waren seit Sidoniens Antrag bei dem Fürsten dahin gegangen, ohne daß sie irgend einen Bescheid erhielt; dies beunruhigte sie, da sie einen solchen erwartet hatte. Als sie alsdann noch eine längere Zeit fruchtlos gewartet hatte, steigerte sich ihre Besorgniß, indem ihr jede Erklärung für die Verzögerung fehlte.

Obgleich Alles seinen gewöhnlichen Gang ging, so schien ihr doch eine gewisse bedrückende und nichts Gutes verheißende Schwüle auf allem Leben und Treiben zu ruhen. Sie sah weder den Fürsten, noch den Prinzen, doch war ihr bekannt, daß dieselben viel mit einander verkehrten und der Erstere seinem Neffen ein besonderes Wohlwollen zeigte.

Die fortdauernde Ungewißheit quälte sie, vermehrte ihre Sorgen und ihr Bangen, und nur in dem ruhigen und sichern Wesen des Geliebten fand sie die so nothwendige Ermuthigung.

Der Winter hatte sich bereits eingestellt und mit ihm war auch der Geburtstag des Fürsten genaht, der gewöhnlich von dem Prinzen durch einen glänzenden Maskenball gefeiert zu werden pflegte, auf welchem der Fürst stets erschien.

Eine solche Festlichkeit war auch dieses Mal von dem Prinzen angeordnet worden, die auf seinen Wunsch außerordentlich glänzend werden sollte. Dieselbe kam Sidonien sehr gelegen, da sie ihr die gewünschte Gelegenheit zu einem Besuch bei dem Fürsten darbot, welchen sie benutzen konnte, sich über ihre Angelegenheit irgend welchen Aufschluß von ihm zu verschaffen und so der sie beängstigenden Ungewißheit ein Ende zu machen.

Es konnte daher nicht ausbleiben, daß, als der Geburtstag genaht war und sie sich zu dem Fürsten begab, ihre Seele mit Unruhe erfüllt war.

Der Letztere empfing sie ziemlich abgemessen und nahm ihren Glückwunsch mit mehr Höflichkeit als Freundlichkeit entgegen. Eben so kühl vernahm er ihr Bedauern, an dem Maskenball nicht Theil nehmen zu können, das sie in der Absicht aussprach, sich in dieser Beziehung einmal bei dem Fürsten zu entschuldigen, dann aber auch, um dadurch einen Anknüpfungspunkt für ihr Interesse zu gewinnen.

»Ich erachte mich nicht für berechtigt, Ihre Intentionen irgendwie zu beurtheilen, und stelle Ihnen Alles anheim,« entgegnete der Fürst kühl.

»Ich glaube dieses Fernhalten von dem Fest meinen Verhältnissen schuldig zu sein,« bemerkte Sidonie.