»Sie werden das am besten wissen.«

»Und darf ich nicht erfahren, welche Beschlüsse in meiner Angelegenheit getroffen worden sind?«

Der Fürst blickte nachdenkend zu Boden und entgegnete alsdann in ziemlich gemessenem Ton:

»Ich muß Sie bitten, sich noch ein wenig zu gedulden, da ich noch nicht Gelegenheit fand, die Sache dem Staatsrath vorzutragen. Ich denke jedoch, daß Sie in nächster Zeit Weiteres hierüber vernehmen werden.«

Diese Worte so wie der Ton, in welchem sie gesprochen wurden, verriethen nur zu deutlich des Fürsten Absicht, Sidonien das für diese Angelegenheit gehegte geringe Interesse erkennen zu geben. Das verletzte und überraschte sie zugleich, indem sich darin ein Widerspruch gegen des Fürsten frühere so lebhafte Theilnahme dafür geltend machte. Sie fragte sich, durch welche Umstände ein solcher ungewöhnlicher Umschlag erzeugt worden sein könnte, ohne sich jedoch darauf eine Antwort geben zu können.

Sie blickte den Fürsten fragend an, um ihn zu einer Erklärung zu veranlassen: er vermied es jedoch wie vorher, ihrem Auge zu begegnen, und zeigte überdies nicht die geringste Neigung, ihrem Verlangen irgend wie entgegen zu kommen, so daß sich Sidonie, dadurch noch mehr verletzt, veranlaßt sah, die Unterredung zu enden und sich zu entfernen.

Der Fürst verließ sie höflich, jedoch kalt. Durch das Erfahrene in hohem Grade beängstet, kehrte sie in ihr Palais zurück und beeilte sich, Aurelie mit Allem bekannt zu machen und deren Ansicht darüber zu hören.

Nachdem sie die Angelegenheit vielfach erwogen hatten, gelangten sie zu dem beunruhigenden Schluß, daß irgend ein wichtiger Umstand die Ursache von des Fürsten Verhalten gegen Sidonie sein müßte; welcher Art derselbe jedoch wäre, vermochten sie trotz aller Mühe nicht zu erforschen. Diese Ungewißheit beängstete sie um so mehr, da auch der Graf bei seinem bald darauf erfolgten Besuch sie nicht zu beruhigen oder aufzuklären vermochte und obenein ihre Ansicht und Besorgniß theilte.

Römer hatte eine Einladung zu dem Maskenball erhalten und beabsichtigte, auf demselben zu erscheinen, wozu ihn überdies die Verhältnisse und die Rücksichten auf den Fürsten nöthigten; er traf daselbst mehre Bekannte und gedachte nun diesen Umstand zu benutzen, sich irgend welche Aufklärung über die so beunruhigende Angelegenheit zu verschaffen.

So schien sich denn Sidoniens frühere Ahnung bestätigen zu wollen, und mit Bangigkeit erwog sie, in wie weit sie davon betroffen werden würde. Es war natürlich, daß sie vor Allem der räthselhaften Vorgänge an dem Badeort gedachten, die ja ungelöst geblieben waren und darum mit ihren Gefahren drohten. Ein näheres Erwägen beruhigte sie jedoch wieder, da sie sich vergeblich bemühten, irgend welchen Zusammenhang derselben mit des Fürsten Verhalten zu ermitteln.