Unter solchen Umständen blieb ihnen schließlich nur ein geduldiges Harren übrig und die Hoffnung, es könnte dem Grafen gelingen, Licht in dieses Dunkel zu bringen.
Mit dem Versprechen, Aurelie mit dem etwa erzielten Erfolg sogleich bekannt zu machen, schied der Graf, um, da die Zeit nahte, sich auf den Ball zu begeben. Ihm wurde das Scheiden von Sidonien heute schwerer denn sonst, da er ihr Herz voll Unruhe und Sorge wußte und sich auch seiner ein beengendes Gefühl bemeistert hatte, das er nicht abzuweisen vermochte.
Etwa um die neunte Stunde begab sich der Graf in das fürstliche Palais, in welchem die Festlichkeit stattfand. Sämmtliche Räume desselben waren bereits mit den glänzendsten und buntesten Masken erfüllt und gewährten in ihrer reizenden Anordnung einen sehr angenehmen Anblick. Der Wunsch des Prinzen hatte die Gäste zu den höchsten Anstrengungen veranlaßt, und so konnte es nicht fehlen, daß das Auge in jeder Hinsicht mehr als befriedigt wurde.
Römer, lediglich von seinen trüben Gedanken erfüllt, schenkte dem Allen nur geringe Aufmerksamkeit, lediglich darauf bedacht, ein und den andern seiner Freunde aufzufinden, um seine Absicht so rasch als möglich erreichen zu können.
Das war jedoch wegen der Menschenmenge und der verhüllenden Masken keine leichte Sache, und nur die Kenntniß von den Masken einzelner Bekannten ließ ihn nicht zu lange und fruchtlos forschen.
Die herrschende festliche Stimmung war überdies wenig geeignet, dergleichen Angelegenheiten zu besprechen, ganz abgesehen, mit welcher Vorsicht er dabei zu Werke gehen mußte, um sein Verlangen nicht zu verrathen.
So viel er sich jedoch auch mühte, erlangte er dennoch nicht die mindeste Aufklärung. Niemand wußte ihm in dieser Beziehung nur das Geringste zu sagen, obgleich Sidoniens Antrag, sich von dem Prinzen zu trennen, bereits bekannt geworden war.
Endlich gab der Graf weiteres Forschen als vergeblich auf und begab sich nach dem Saal, in welchem der Fürst mit seiner Gemahlin und seinem Hofgefolge und auch der Prinz befanden. Die erheiterten Mienen des Ersteren und Letzteren verriethen den angenehmen Genuß, den ihnen das Fest zu gewähren schien, ganz besonders machte sich jedoch das gute Einvernehmen zwischen Oheim und Neffen geltend, das die nicht eingeweihten Gäste in hohem Grade überraschte. Der Graf war in der Nähe einer nach einem Nebenzimmer führenden Thür stehen geblieben und beobachtete, durch seine Larve geschützt, den Hof und das Treiben im Saal.
Der Prinz und der Fürst befanden sich in seiner Nähe und unterhielten sich mit einigen zu dem engeren Kreise des Fürsten gehörigen Personen, welche wie die Ersteren ohne Masken waren. Die Unterhaltung schien sehr heiter zu sein; denn Lachen und Scherze unterbrachen dieselbe. Der Fürst zog sich bald darauf mit einem der Herren ein wenig von der Gruppe zurück und sprach vertraulich mit diesem, während der Prinz mit den übrigen Personen die Unterhaltung in der früheren Weise fortsetzte.
Einige Augenblicke darauf bemerkte der Graf, daß ein schwarzer Domino, der sich so lange in dem Nebenzimmer aufgehalten hatte und das Zurückziehen des Fürsten abgewartet zu haben schien, dasselbe verließ, sich dem Prinzen von der Rückseite näherte und ihm ein paar Worte zuflüsterte.