»Ich glaube dies verneinen zu müssen. Serenissimus, der, wie Sie wissen, mich seines gnädigen Vertrauens bisweilen würdigt, scheint es für angemessen zu halten, sich nicht zu übereilen, vielleicht auch nicht geneigt zu sein, sich über seine Intentionen in dieser Beziehung auszusprechen.«
»Seine Weisheit wird einen ersprießlichen Entscheid herbei zu führen wissen, um diese traurige Angelegenheit seiner und des Prinzen Ehre gemäß zu erledigen.«
»Ja, ja, das ist es, das hat den Fürsten auch in der letzten Zeit sehr lebhaft beschäftigt! Sie wissen, er ist im Punkt seines Ansehens äußerst difficil. Alle Welt weiß, daß er diese Ehe gestiftet, und darum verdrießt es ihn in hohem Grade, sich in solcher Weise offen compromittiren zu müssen. Ich bin überzeugt, er gäbe viel darum, fände er ein geeignetes Mittel, welches ihm einen solchen Eclat ersparte.«
Die Baronin wechselte, während er sprach, bisweilen einen verständigenden Blick mit dem Kapitän, der ein aufmerksamer Zuhörer des Mitgetheilten war, ohne sich jedoch durch irgend eine Bemerkung in das Gespräch zu mischen. Als der Chevalier endete und aufbrach, entgegnete sie mit großer Freundlichkeit:
»Der heutige Tag ist ein doppelt und dreifach beglückender für mich, da er mir nicht nur meinen Sohn, sondern auch einen so sehr geschätzten Freund wieder giebt. Ich hoffe, mein bester Chevalier, es soll unsere Intimität fortan durch keinen Mißklang mehr beeinträchtigt werden, und versichere Sie nochmals, welche große Freude mir Ihr heutiger Besuch bereitet hat, dem hoffentlich, und wie ich herzlich bitte, noch recht, recht viele in Bälde folgen mögen!«
Sie reichte ihm die Hand, die der Chevalier an die Lippen führte, indem er bemerkte:
»Sie sind die Güte selbst, meine theure Baronin, und ich scheide mit eben so viel Verehrung als Bewunderung von meiner überaus liebenswürdigen Freundin.«
Er verabschiedete sich alsdann auch von dem Kapitän und ersuchte ihn, Mühlfels in seinem Namen um Vergebung und um seine Freundschaft zu bitten.
»Nun, lieber Bieberstein, wie gefällt Ihnen das Alles?« fragte die Baronin, nachdem sich der Chevalier entfernt hatte und sie sich mit Ersterem allein befanden. »Ich denke, Sie sind mit diesen Erfolgen sehr zufrieden gestellt.«
»Ich gestehe, mich von meinem Erstaunen noch nicht erholen zu können. In der That, die Mittel, welche Ihr Sohn in diesem Fall angewandt hat, scheinen sehr wirksamer Natur zu sein,« fiel der Kapitän ein.