»Worin Sie sich auch durchaus nicht getäuscht sehen sollen,« fiel Sidonie, durch seine gemessenen Worte verletzt, ein.
»Um so rascher und sicherer dürften wir eine Erledigung dieser Angelegenheit erzielen,« bemerkte der Fürst und fuhr alsdann nach kurzem Hüsteln fort: »Ich weiß, daß Sie von mir eine bestimmte Erklärung über das von Ihnen ausgesprochene Verlangen, sich von dem Prinzen zu trennen, erwarten. Sie hätten dieselbe bereits erhalten, wenn nicht wichtige Entdeckungen mir die Motive verrathen hätten, welche Sie zu der Trennung bestimmten.«
»Ich denke, mein Fürst, daß es deren nicht bedurfte, da ich Ihnen dieselben bereits hinreichend bezeichnet zu haben glaube,« fiel Sidonie überrascht ein.
»Allerdings sah ich mich veranlaßt, Ihren Worten zu glauben; ich bin jedoch davon zurück gekommen, nachdem ich unzweifelhafte Beweise besitze, daß nicht des Prinzen Verhalten gegen Sie, sondern die seit Jahren von Ihnen warm gepflegte Neigung für einen andern Mann Ihnen die Trennung Ihrer Ehe schon lange höchst begehrenswerth gemacht hat,« entgegnete der Fürst mit scharfem Ton, während zugleich sein stechender Blick sich forschend auf sie richtete.
Trotz der gehegten Vermuthung, ihre Liebe könnte einen Verräther gefunden haben, trafen des Fürsten Worte Sidonie dennoch tief in's Herz. Das so sorglich verhüllte süße Geheimniß ihrer Seele von ihm rücksichtslos enthüllt und obenein in solcher Weise benutzt zu sehen, erfüllte sie mit dem tiefsten Schmerz und Unmuth und machte sie zugleich im höchsten Grade bestürzt.
Keiner Erwiderung mächtig, blickte sie zu Boden, während der rasche Farbenwechsel ihres Antlitzes, der bewegte Athemzug ihre große Erregung verrieth. Der Fürst unterbrach das eingetretene Schweigen durchaus nicht, sondern fixirte sie mitleidslos, und man erkannte aus diesem Umstande, daß jedes mildere Gefühl für Sidonie in ihm erstorben war.
Diese rang nach Athem, nach einem entsprechenden Wort, um sich nicht vertheidigungslos ihrem Richter in die Hände zu geben und damit die ihr beigelegte Schuld anzuerkennen.
»Ihr Verstummen bekundet, daß man mir die Wahrheit gesagt hat,« bemerkte der Fürst nach kurzer Pause mit schneidender Schärfe.
Sidonie hatte sich gewaltsam gesammelt und entgegnete:
»Allerdings, mein Fürst, obwol nur zum Theil. Denn ich läugne nicht, schon vor meiner Vermählung mit dem Prinzen einem andern Manne mein Herz geschenkt zu haben; doch ist es eine Unwahrheit, daß lediglich diese Neigung die Motive meines Verlangens gewesen sind.«