»Sie gestehen also diese Neigung zu?« fragte der Fürst rasch.

»Gewiß, mein Fürst, und thue dies um so freimüthiger, da ich früher meinen Eltern offen meine Abneigung gegen den Prinzen zu erkennen gegeben habe und lediglich ihrem Verlangen meine Liebe opferte.«

»Sie haben diese Liebe jedoch während Ihrer Ehe gepflegt, ja Sie sind sogar, von Ihrer Leidenschaft verleitet, in den vertraulichsten Umgang mit dem Grafen getreten!«

Sidonie schaute den Fürsten überrascht, doch gesammelt an, indem sie, das Haupt schüttelnd, entgegnete:

»Das ist eine Verleumdung, mein Fürst, wenngleich ich nicht läugne, ihm meine Zuneigung bewahrt zu haben. Dieselbe war mir von um so größerem Werth, je mehr ich das Unglück meiner Ehe fühlte. In meiner Liebe zu einem edeln, würdigen Manne fand ich die Kraft, Jahre hindurch meine Leiden zu tragen, meine Ehre verletzt zu sehen und die Stunden nur an der Vermehrung neuen Kummers abzuzählen. Ich wäre längst ein Opfer dieser unheilvollen Verhältnisse geworden, hätte mich diese Liebe nicht belebt und aufrecht erhalten.«

»In der That, Prinzessin, Ihr Freimuth überrascht mich!« rief der Fürst in großer Erregung aus.

»Ich glaube es Ihnen, denn ich weiß ja, welchen Werth Sie einer aufrichtigen Neigung beizulegen für gut finden.«

»Durften Sie in solcher Weise die gegen den Prinzen zu beobachtenden Pflichten verletzen?!« fragte der Fürst.

»Verletzen?« fiel Sidonie ein. »Meine Liebe hat dieselbe in keiner Weise beeinträchtigt.«

»Wie, Sie wollen mich glauben machen, es bestände kein sträfliches Verhältniß zwischen Ihnen und dem Grafen?!«