Die Folge wird zeigen, in welcher Art er seinen Vorsatz ausführte.

Kaum dürfte es nothwendig sein, zu bemerken, daß sich Sidoniens Voraussetzungen hinsichts der zu ihrem Verderben gesponnenen Intrigue durchaus bestätigten, und eben so wenig dürfte der eigentliche Urheber derselben bezeichnet werden müssen, da die plötzliche Begnadigung des Baron Mühlfels ihn bereits verrathen hat.

Er war es in der That.

Hören wir nun, welcher Mittel er sich bediente, um seinen Zweck zu erreichen.

Wir haben erfahren, daß er mit dem Versprechen von dem Prinzen schied, ihm die gewünschte Genugthuung zu verschaffen, ebenso wissen wir, daß er ein ähnliches, jedoch noch lebhafteres Verlangen hegte, sich an der Prinzessin zu rächen, vor Allem jedoch, in Gnaden aus seiner Verbannung wieder an den Hof zurück berufen zu werden. Eine gewöhnliche Begnadigung, ohne daß Sidonie in der empfindlichsten Weise gekränkt und er dadurch als schuldlos hingestellt wurde, würde ihm jedoch nicht genügt haben, und so mußte er auf Mittel sinnen, sich einen solchen Erfolg zu sichern. So war er unablässig bemüht, einen Plan zu diesem Zweck zu ersinnen, ohne daß ihm dies jedoch gelang. Erst als die Nachricht von Sidoniens Reise in das Bad zu ihm gelangte, gewann derselbe einen bestimmten Haltpunkt. Es war ihm bekannt, daß Römer's Besitzung nur wenige Stunden von dem Curort entfernt war, und er hielt sich daher überzeugt, daß lediglich dieser Umstand die Prinzessin zu der Wahl des Ortes veranlaßt haben könnte.

Nichts hätte ihm erwünschter kommen können; denn er setzte nun mit Bestimmtheit voraus, daß Sidonie die gewährte Freiheit zu einem lebhaften Umgange mit dem Grafen benutzen würde und dieser Umstand seiner Absicht sehr zu statten kommen müßte. Schon war er Willens, sich durch des Prinzen Einfluß einen Urlaub zu verschaffen und nach dem Badeort zu begeben, um daselbst in seinem Sinn zu wirken; er gab dies Vornehmen jedoch in der naheliegenden Voraussetzung auf, dadurch seinen Zweck nur schwer oder vielleicht gar nicht erreichen zu können, da Sidonien seine Anwesenheit bald bekannt und sie daher zur Vorsicht veranlaßt werden würde.

Darum entwarf er einen andern Plan, der ihm sicherer däuchte.

Er hatte in seinem neuen Aufenthalt den Kapitän von Bieberstein kennen gelernt und in demselben einen für seine Zwecke sehr geeigneten Charakter gefunden, er gedachte diesen nun in seinem Sinn zu benutzen.

Er weihte den Kapitän in seine Absichten ein, ohne ihm jedoch sein eigenes Interesse dabei zu verrathen, sondern gab als Grund der ersteren an, daß es sich in diesem Fall lediglich darum handelte, einen lebhaften Wunsch des Prinzen zu erfüllen. Er deutete ihm die großen Vortheile an, welche ihm dadurch im Fall des Gelingens von dem künftigen Regenten zu Theil werden müßten, und wußte durch seine klug berechneten Worte den Kapitän bald für sich zu gewinnen.

Die Aussicht, sich den Prinzen verbinden zu können, war dem Kapitän viel zu verlockend, um irgend welchem Bedenken Raum zu gestatten. Der Plan des Barons war nun folgender: Bieberstein sollte sich unter dem Vorwande von Kränklichkeit nach dem von Sidonien besuchten Bade begeben und die Letztere im Geheimen beobachten. Da weder die Prinzessin noch Römer ihn kannten, so vermochte er dies in vollstem Maße zu thun. Er sollte dabei zugleich bemüht sein, sich irgend welche Beweise von dem bestehenden Liebesverhältniß zwischen dem Grafen und der Prinzessin zu verschaffen. Die Art und Weise, in welcher dies geschehen könnte, überließ ihm Mühlfels.