Die Empfindungen, mit welchen die Letztere nach ihrem Palais zurückkehrte, dürften wol kaum näher zu bezeichnen sein. Aurelie, die in der ängstlichsten Spannung der Freundin Rückkehr geharrt hatte, empfing sie mit besorgten Blicken. Der Ausdruck in Sidoniens Antlitz verrieth ihr die Bedeutsamkeit der stattgefundenen Unterredung, und um so erwartungsvoller sah sie daher deren Mittheilung entgegen.

»Es ist Alles verrathen,« sprach Sidonie, als sie sich mit Aurelien allein befand; »Alles, Alles, und meine reine Liebe in den Schmutz der Gemeinheit getreten.«

»Verhüte der Himmel, daß Du die Wahrheit sprichst!« rief Aurelie erschreckt.

»Es ist so, wie ich sagte, und der Fürst hat sich, wie ich erkannt, nicht eben gesträubt, diesem Bubenstück Glauben und Beifall zu schenken. Die Cassette und unsere Briefe sind geraubt worden, um Beweise für meine Schuld zu erhalten, und mit diesen Beweisen ist mir der Fürst entgegen getreten und wie mir schien in der gewissen Voraussetzung, mich zum sofortigen Geständniß zu veranlassen. Er irrte sich jedoch.«

»Was konntest Du ihm sagen?«

»Die Wahrheit, meine theure Freundin, und ich habe es gethan.«

»So bist Du verloren!«

»Ich weiß, daß ich es bin, und um so sicherer, da man mich verderben will; doch durfte ich nicht anders.«

»Und glaubt der Fürst nicht an Deine Schuldlosigkeit?«

»Er will es nicht, da sein Staatsinteresse es ihm verbietet.«